Schlagwort: Sachbuch

[Gelesen] „Die Macht der Stille: Wie introvertierte und hochsensible Menschen ihre Besonderheit erkennen, verstehen und nutzen können“ von Sophia Dembling

E-Book Reader mit dem Buch "Die Macht der Stille"

Beim Stöbern in der Onleihe bin ich auf diesen Titel gestoßen. Das Thema interessiert mich, da ich mich selbst als eher introvertiert beschreiben würde und ich noch immer versuche herauszufinden, wie ich Reize ich gut verarbeiten kann, ohne mich total erschöpft zu fühlen.

Sophia Dembling schreibt im Plauderton und veranschaulicht Theorien durch Erlebnisse aus ihrem alltäglichen Leben. Auch andere introvertierte Personen kommen zu Wort. Zu Beginn erläutert sie die gängisten Theorien und Definitionen rund um Introversion und Extraversion. Laut C.G. Jung handelt es sich hier beispielsweise um psychische Energie, die bei der Introversion nach innen gerichtet ist und bei der Extraversion nach außen gerichtet ist. Das heißt die Ersteren laden ihre Batterien durch das Alleinsein auf und die Letzteren durch den Kontakt mit Anderen.
Zudem betont sie mehrmals, dass Intoversion nicht mit Schüchternheit zu verwechseln sei.

„Introversion ist mehr als die Abwesenheit von Extraversion.“

Allerdings stoßen viele introvertierte Personen im Laufe ihres Lebens auf Unverständnis. Oft werden sie mit Vorwürfen konfrontiert, sie seien zu still und hätten keine Ambitionen am sozialen Leben teilzunehmen. Viele introvertierte Personen schaffen es sehr gut sich im Alltag oder bei geselligen Aktivitäten wie extrovertierte Personen zu verhalten.

Doch irgendwann ist die Belastungsgrenze erreicht: Rückzug ist angesagt, um die eigenen Batterien wieder aufzuladen. Sophia Dembling ermutigt die eigenen Grenzen auszuloten, zu akzeptieren und sich genügend Zeit und Raum zur Regenration zu schaffen. Sei es nur ein Gang auf die Toilette während einer Party, ein kleiner Spaziergang während eines Familientreffens oder ein Wochenende mit niemanden außer sich selbst.

Die Autorin spricht zahlreiche (Alltags-)Themen an und gibt Ratschläge für den Job, Familie und Beziehung. Die zahlreichen Beispiele helfen möglicherweise dem eigenen Umfeld besser zu erklären, was Introversion bedeutet. Zusätzlich warnt Dembling vor typischen Fallen in die introvertierte Menschen leicht tappen. So kann es einem passieren, dass man sich vor lauter Freude am Alleinsein ein bisschen zu sehr von der Welt zurückzieht und sich schließlich einsam fühlt.

Leider wiederholt sich die Autorin immer wieder und wärmt bereits genannte Gedanken im späteren Verlauf immer wieder auf. Zudem könnte man nach der Lektüre zu der Meinung kommen, es gäbe entweder introvertierte oder extrovertierte Personen. Ich wehre mich dagegen, die Welt in schwarz und weiß bzw. extrovertiert und introvertiert einzuteilen. Ich denke, zu einer Persönlichkeit gehören weitaus mehr Facetten. Auch die extrovertiert/introvertiert-Skala wird breiter gefächert sein als es ein entweder/oder abbilden könnte.

Sehr viel hilfreicher und erhellender für mich war damals das Buch „Still –  Die Kraft der Introvertierten“ von Susan Cain. Sehr informativ ist auch der zugehörige TED Talk „The Power of Introverts“ .

„Die Macht der Stille: Wie introvertierte und hochsensible Menschen ihre Besonderheit erkennen, verstehen und nutzen können“ von Sophia Dembling – mvg Verlag – ISBN 978-3-86882-560-2 – 14,99 Euro.
Oder besser:
„Still –  die Kraft der Introvertierten“ von Susan Cain – Goldmann – ISBN 978-3-442-15764-8 – 9,99 Euro.

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[Gelesen] Haben oder Sein von Erich Fromm

Bild "Haben oder Sein"
Ich habe dieses Buch von Erich Fromm zufällig in der Bibliothek entdeckt. Der Titel machte mich sofort neugierig und ich lieh mir das Buch aus. Trotdem lag es noch eine ganze Weile auf meinem Bücherstapel, da mir der Sinn eher nach leichter Lektüre stand. Letztendlich habe ich das Buch dann Kapitel für Kapitel gelesen.

Zu Beginn definiert Fromm die Begriffe „Haben“ und „Sein“ sowie ihre verwandten Worte und ihre sprachliche Geschichte. So beschrieb der Begriff „Profit“ einst einen Gewinn für die Seele und wurde mit materiellem oder finanziellem Gewinn in Verbindung gebracht. Zugleich betont der Autor jedoch auch, dass es nicht möglich ist, zu sein ohne etwas zu besitzen. Notwendig ist zum Beispiel das entsprechende Werkzeug um seine Nahrung zu zubereiten. Hier geht es darum, die Grundbedürfnisse befriedigen zu können.

Als besonders interessant habe ich das Kapitel über den Sabbat empfunden. So schreibt Fromm dazu:

Am Sabbat lebt der Mensch, als hätte er nichts, als verfolge er kein Ziel außer zu sein, das heißt seine wesentlichen Kräfte auszuüben – beten, studieren, essen, trinken, singen, lieben.“

Inzwischen lösen sich feste Zeitstrukturen zunehmend auf. Ich kann mir selbst aussuchen wann ich welcher Aktivität nachgehe. Meistens ist das gut und doch gibt es Tage, an denen ich mir meinen Kalender zu voll stopfe. In diesem Fall ist es gut und passend, wenn ein Tag beginnt, der auschließlich für das Sein reserviert ist. Ich werde mir zukünftig immer wieder Zeiträume zum Sein im Kalender freihalten.

Darüber hinaus widmet Fromm dem Konsum an sich zahlreiche Seiten. So beschäftigt er sich mit der Funktion des Konsums und dem Besitzen von Dingen. Weshalb kaufen wir so viel? Was bedeutet das Besitzen für uns? Der Versuch dem eigenen Status Nachdruck zu verleihen oder auch unser Bedrüfnis nach Sicherheit und Schutz spielen eine Rolle.
Zudem betont Fromm, dass Eigentum verpflichtet. Woher die Sache kommt, wie die Sache produziert wurde und wie sie das Leben anderer Menschen beeinflusst ist nicht unwichtig.

Erich Fromm schließt sein Buch mit einer Liste möglicher Maßnahmen, um dem Strudel des Habens und Konsumierens zu entkommen. Ziel dieser Maßnahmen ist es mehr Möglichkeiten zum Sein zu eröffnen. Verändern 20 Prozent der Menschen ihr (Konsum-)Verhalten wirkt sich das bereits auf das gesamte System aus.
Besonders motiviert hat mich folgendes Zitat:

Jedem Schritt in die neue Richtung folgt der nächste, und wenn die Richtung stimmt, ist jeder Schritt von größter Bedeutung.“

Ich habe sicherlich nicht alle Gedankengänge Fromms verstanden, dennoch hat mich das Buch inspiriert und dazu motiviert auch weiterhin auf die Art und Weise wie ich alltäglich lebe und meinen Konsum zu achten. Auch wenn das Buch bereits 1976 erschien hat es nicht an Aktualität verloren! Wer sich für die Thematik interessiert, sollte es lesen.

Haben oder Sein – Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft von Erich Fromm. dtv – ISBN 978-3-423-34234-6 – 7,90 Euro.

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