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[Gelesen] Loslassen von Katharina Finke

Titelbild Gelesen Loslassen von Katharina Finke

Hand aufs Herz! Wer träumt nicht gelegentlich davon sich gänzlich von seinen Besitztümern zu trennen, den eigenen Besitz auf einen Koffer zu beschränken und die Welt zu entdecken? Zugegeben, ich träume immer mal wieder davon und gleichzeitig ist mir klar, dass meine Vorstellung von diesem Leben eine sehr romantische ist. Von der Nähe zur Realität ganz zu schweigen! Als ich mal wieder träumend in einer Buchhandlung stöberte, entdeckte ich das Buch „Loslassen: Wie ich die Welt entdeckte und verzichten lernte“ von Katharina Finke und kaufte es.

Inhalt

Katharina Finke ist schon eine Weile in der Welt unterwegs, sie lebt aus ihrem Koffer und doch ist da noch die Wohnung, in der sie lange mit ihrem Freund zusammen gewohnt hat. Als das Paar sich  trennt sich und entschließen sie sich dazu, die Wohnung aufzulösen. Katharina verkauft und verschenkt fast ihren ganzen Besitz. Lediglich einen Karton mit Erinnerungsstücken schickt sie zu ihren Eltern. Sie ist unabhängig und macht sich mit einem Koffer, der all ihren Besitz umfasst, auf den Weg, die Welt zu entdecken.

„Zu wissen, dass ich jeden Moment meine Siebensachen packen und weiterziehen konnte, hatte mir ein Gefühl von Freiheit gegeben,  bei dem mir nichts fehlte.“ (S.  14)

Das Buch setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Der erste Teil beschäftigt sich mit ihrem Leben, der zu diesem Schritt führte. Der zweite Teil beschäftigt sich mit dem, was nach diesem Schritt folgte. Die Autorin lebt nicht von Luft und Liebe, sondern muss auch unterwegs Geld verdienen. Sie arbeitet als freie Journalistin und verkauft ihre Geschichten / Reportagen an große deutsche Verlage und TV-Sender. Acht-Stunden-Tage sind da eine Seltenheit. Sie pendelt zwischen dem Wunsch nach Freiheit und der Sorge, keinen nächsten Auftrag zu erhalten. Gleichzeitig schildert sie langsamere Zeiten, in denen es sehr viel entspannter zuging.

„Loslassen“ zeigt beide Seiten des ortunabhängigen Lebensstils: die guten und die schlechten Tage. Bei all dem Reisen und Unterwegssein wird zudem deutlich, dass Katharina Finke nicht nur die Welt entdecken möchte, sondern auch auf der Suche nach sich selbst und ihrer eigenen Identität ist.

„Mir war zwar klar, dass mein zielloses Durch-die-Welt-Jetten nicht gut für die Umwelt war, aber dieses Bewusstsein wurde überlagert von der Flucht vor mir Selbst. Ich war nicht im Reinen mit mir und suchte die Lösung dafür in neuen Reisezielen.“ (S. 114)

Leseerfahrung und Bewertung

„Loslassen: Wie ich die Welt entdeckte und verzichten lernte“ von Katharina Finke liest sich schnell und leicht. Ihre Sprache ist klar und ohne Schnörkel, an manchen Stellen hätte ich mir weitläufigere Reisebeschreibungen oder eine tiefere Reflexion gewünscht. Als Leser_in sollte man keinen Ratgeber erwarten, der einem erklärt, wie man nun all seine Sachen los wird und ortsunabhängig arbeitet.  Katharina Finke beschreibt ihren eigenen, persönlichen Weg und die Erfahrungen, die sie auf diesem Weg gemacht hat. Ganz sicher aber können viele Leser_innen wertolle Impulse aus der Lektüre mit in ihr eigenes Leben nehmen. So erging es zu mindestens mir, denn eine Fragestellung ist mir besonders hängen geblieben: „An was willst du festhalten?“

Ich empfehle das Buch all denen, die gerne biografische Berichte oder Reiseerzählungen lesen und offen für die Idee eines minimalistischen Lebensstil sind.

„Loslassen: Wie ich die Welt entdeckte und verzichten lernte“ von Katharina Finke – MALIK – ISBN 978-3-890-29481-0 – 15,00 Euro.

Zeitbaustelle – Stand im Januar 2017

Titelbild Zeitbaustelle - Stand im Januar 2017

Heute schreibe ich mal wieder über meine Zeitbaustelle und die letzten Entwicklungen. Ich habe nämlich an der einen oder anderen Schraube gedreht.

Zeitgefühl und die Fragmentierung der Zeit

Meine neue Errungenschaft ist ein Social Media freier Tag pro Woche! Ich nutze an diesem Tag zwar das Internet, lasse die sozialen Netzwerke aber außer vor. Twitter beispielsweise spült regelmäßig Neuigkeiten, Nachrichten und andere Dinge in meinen Tagesverlauf. Diese meist sehr kurzen Texte und Artikel führen dazu, dass ich in einer bestimmten Zeitspanne zahlreiche Themen wahrnehme und verarbeite. Durch diesen Vorgang zerfällt die mir zur Verfügung stehende Zeit zu vielen kleinen Fragmenten. Zudem führt es dazu, dass ich vieles nur sehr oberflächlich lese und die Inhalte kaum reflektiere.
Dieser eine Tag wirkt sehr entschleunigend und es gefällt mir sehr. Das Zeitvergehen fühlt sich länger und ausgedehnter an.

Feierabendgestaltung

Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, brauche ich erst Mal einige ruhige Momente.  Meistens möchte ich dann auch nur mit einem Tee und einem Buch auf mein Sofa.

Seit ein paar Woche koche ich mein Mittagessen für die Arbeitstage schon am Wochenende und friere es dann portionsweise ein. So stehe ich am Wochenende zwar länger in der Küche, kann mir jedoch den Luxus eines ruhigen Feierabends gönnen.

Planung & Organisation

Ich dachte, ich würde meinen Alltag recht gut planen und organisieren. Allerdings habe ich oft sehr großzügig geplant und die benötigte Zeit für einzelne Aufgaben definitiv unterschätzt. Trotz vieler erledigter Dinge, blieb ein Gefühl der Unzufriedenheit zurück.

Inzwischen schreibe ich mir auf, was ich an welchem Tag der Woche erledigen möchte. In den Feierabend lege ich mir nur einzelne, nicht zu aufwendige Aufgaben, für die ich nicht meine volle Konzentration benötige. Die habe ich nämlich meistens schon im Büro verbraucht. Ein bisschen Disziplin hilft. Ich sage mir gern, dass ich diese oder jene Aufgabe gerade erledige und dann zu meinem Buch auf mein Sofa gehen kann.

Zusätzlich ergänze ich dieses System durch Sachen, die ich im jeweils kommenden Montag gerne machen möchte. Das sind nicht nur lästige To-Do-Elemente, sondern auch schöne Unternehmungen. 🙂

Sachen sein lassen

Im letzten halben Jahr stellte ich fest, dass ich nicht genügend freie Zeit für meine Hobbies hatte. Es hat mich unzufrieden gemacht, eigentlich Sachen machen zu wollen und sie dann doch nicht zu machen. Und das über längere Zeiträume hinweg.

Die meisten Bücher über Acryl-Malerei habe ich inzwischen weggegeben und die meisten Farben der Tochter einer Kollegin geschenkt. Als ich es nochmal probiert habe, hat mir das Malen keine Freude mehr bereitet. Es fühlte sich gut an diese Dinge loszulassen.

Es fiel sehr viel schwerer die Schwedisch-Lernmaterialien loszulassen. In einem anderen Kontext hätte ich die Sprache weiterhin lernen wollen. Meine bisherige Sprachlernerfahrung hat mir gezeigt, dass ich eine Fremdsprache am besten durch ein Sprachbad lerne, d.h. in dem Land, in dem die Sprache gesprochen wird. Grammatikübungen in einem VHS-Kurs zum Feierabend haben bei mir bisher nicht zum gewünschten Lernerfolg geführt. Jetzt lernen andere Menschen mit meinen Büchern!

Was mir das gebracht hat? Mehr Ruhe im Kopf! Ich denke jetzt nicht mehr so oft, eigentlich wollte ich noch… .

Wie ich den Minimalismus für mich entdeckte

Ich habe den Minimalismus für mich entdeckt als ich den Begriff „Minimalismus“ noch gar nicht kannte. Dinge loszulassen oder Kleidung auszusortieren fiel mir schon immer leicht, doch ersetzte ich die aussortierten Sachen auch gerne mit neuen Stücken.Titelbild Wie ich den Minimalismus für mich entdeckte

Die Situation damals

Ich wohnte in einem kleinen Zimmer in einem Wohnheim für Studierende und stopfte dieses Zimmer ziemlich voll. Nun war es zudem so, dass auch meine Küchenutensilien und Lebensmittel einen Platz in dem Zimmer finden mussten. Später stand auch noch ein kleiner Kühlschrank im Zimmer, da das Gerät in der Gemeinschaftsküche kaputt gegangen war und vom Wohnheimbetreiber nicht ersetzt wurde. Es waren einfach viel zu viel Dinge für so wenig Wohnraum!

Platz für das was kommt

Nach einiger Zeit wuchs in mir das Bedürfnis nach Platz. Mir wurde all mein Kram zu viel und ich wollte Raum schaffen, für das was kommt. Obwohl ich nicht wusste, was dieses „das“ sein könnte.
Ich begann damit CDs und Bücher zu verkaufen. Dann folgten die Kleidungsstücke. Da mein Ziel mehr Raum war, habe ich einiges von meinem „Gewinn“ gespendet oder bin in den Urlaub gefahren.

Diese Aktion tat mir sehr gut und wirkte befreiend auf mich. Da ich nicht gleich losgelaufen bin und neue Sachen gekauft habe, hatte ich auch etwas mehr Platz – zumindest gefühlt – in meinem kleinen Zimmer.

Trotzdem blieb der Eindruck, dass mir Dinge bzw. auch das Einkaufen oder das sich beschäftigen mit möglichen Käufen die Sicht auf das Wesentliche versperren. Oft stöberte ich lange und ausgiebig in Onlineshops und kaufte dann doch nichts – obwohl ich nichts kaufte, verbrachte ich viel Zeit mit dem Nicht-Kaufen.

Es folgten Jahre, in dene ich mir (fast) keine neue Kleidung kaufte oder Monate, in denen ich nur kaufte, was ich wirklich brauchte (Lebensmittel & Hygieneartikel). In diesen Zeiten mied ich auch Onlineshops.

Ein anderer Aspekt: Studienkredit

Mein Studium in Hamburg finanzierte ich mir teilweise mit einem Kredit. Zu Beginn fühlte es sich seltsam an „auf Pump zu leben“, ich würde zukünftig ja schließlich alles noch ein weiteres Mal bezahlen müssen. Aus diesem Grund habe ich meine Augaben sehr genau beobachtet und mich strikt an meinen Haushaltsplan gehalten. Diese Zeit hat mein Konsumverhalten gepräft und ich habe gelernt mit wenig Geld auszukommen und meine Ausgaben entsprechend zu planen.

Sachen aussortieren: ein Wegbereiter

Inzwischen dreht sich mein Minimalismus nicht mehr nur um das Einkaufen und das Nicht-Einkaufen, sondern auch um das, was ich kaufe oder eben nicht kaufe.

Brauche ich XYZ wirklich? Wozu brauche es? Was ist wenn XYZ kaputt geht? Wie wahrscheinlich ist mein Nutzungs-Szenario? Gibt es das auch ohne Plastikverpackung?

Ein anderer wichtiger Faktor ist Zeit für mich geworden.

Womit möchte ich meine Zeit (nicht) verbringen? Was gibt mir Energie? Was nimmt mir Energie? Wie kann ich gut – d.h. zufrieden – leben? Was sind meine Prioritäten?

Diese Frage sind groß und letztendlich kann ich sie für mich ein für alle mal und endgültig beantworten. Die Antworten verändern sich immer wieder. Je nach Situation und entsprechend meiner inneren Wetterlage.

Minimalismus hat für mich mit dem Aussortieren von Dingen begonnen und mir Mut gemacht, Verhaltensweisen und Gewohnheiten zu hinterfragen. Ich gehe dem Leben und den Dingen auf den Grund zu gehen und stelle Fragen in den Raum hinnein – ohne sofort eine Antwort zu erwarten. Für mich spielen die nicht-fassbaren Aspekte des Lebens inzwischen eine etwas größere Rolle als noch zu Beginn meines Minimalismus.

Trotzalledem versuche ich auch ökologische und soziale Aspekte zu berücksichtigen. Es tauchen noch immer neue Baustellen (dieses Plastik) auf. Da sind auch noch große und kleine Fragen, die ich mir und in den Raum stellen möchte. Der Weg geht noch weiter.