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Alleine reisen?

Beitragsbild Alleine reisen?

Im letzten Urlaub war ich alleine im Norden des Landes unterwegs. Ich habe eine Woche in Westerland (Sylt) verbracht und endlich mal wieder das Meer gesehen. Ich bin viel spazieren gegangen, habe einiges gelesen, das Aquarium Westerland & das Erlebniszentrum Naturgewalten in List besucht und mich in einem Wellness-Center verwöhnen lassen. Es war eine gute Woche!

Alleine reisen?

„Ich würde niemals alleine in den Urlaub fahren!“, habe ich im Vorfeld einige Male gehört. Ich selbst habe darüber gar nicht nachgedacht. Für mich war klar, dass ich Ende Februar / Anfang März ans Meer wollte. Meine Vorstellung bestand aus Meer, Wind, Lesezeit und Tee. Als eher intorvertierte Person genieße ich das Alleine-Sein sehr.

Dennoch gab es Momente, in denen ich mich auf mich selbst zurück geworfen fühlte. Da musste ich mich selbst und meinen unruhigen Geist eben aushalten. Denn egal ob wir alleine oder mit anderen reisen, uns selbst nehmen wir immer mit. Fallen die eingeübten Ablenkungsmanöver weg, kann es unbequem werden. Mit WLAN, mobilen Daten und dem Smartphone ist das Internet nur noch einen Fingerwisch weit weg, doch taugt diese Flucht aus der Gegenwart auch nicht dauerhaft.

Ich habe meinen unbequemen Moment ausgehalten. Geholfen hat mir die Meditations-App auf dem Smartphone und das ausführliche Studium des Busfahrplans – dabei gewann ich zugleich an Ortskenntnis. In Fahrplänen oder auch in Landkarten sind viele Details, mit denen sich meine Augen gut beschäftigen können und auf irgendeine Weise wirkt das beruhigend auf mich. Ich kann es nicht erklären.

Urlaub zuhause und woanders

Manchmal tut es einfach total gut, andere Landschaften und andere Orte zu sehen. An unbekannten Orten gibt es viel zu entdecken und zu sehen. Bei mir wirkt sich das auch stark auf mein Zeitempfinden aus. Die Zeit vergeht im Gegensatz zum normalen Alltag langsamer und dehnt sich aus.

Verbringe ich meine Zeit zuhause, bemühe ich mich diese Zeit ebenfalls erholsam zu gestalten. Trotzdem gibt es zuhause immer etwas zu tun. Im Urlaub woanders bleiben die wesentlichen Dinge übrig und die gestalten sich aufgrund der veränderten Situation auch anders. Kochen in der Ferienwohnung – wo steht der Topf, gibt es hier einen Kochlöffel und wie funktioniert eigentlich so ein Induktionsherd? Alltägliches kann zum Abenteuer werden.

Wahl des Urlaubsorts

Nicht immer findet sich eine passende Person, ein passender Ort und ein passender Zeitraum für eine gemeinsame Reise. Ich bin in Deutschland geblieben und mit der Bahn gereist. Ich bin in meiner gewohnten Sprachumgebung geblieben. Andere Ziele auf anderen Kontinenten und andere Verkehrsmittel hätten mich stärker verunsichert! Meinen Urlaubsort kann ich mir selbst aussuchen und entscheiden, wie weit ich meine Komfortzone verlasse möchte.

Auch wenn ich alleine unterwegs bin, ist es mir wichtig zu klären, was ich erwarte und was ich mir wünsche. So gehe ich Frust und Enttäuschung im Idealfall aus dem Weg!

Weiter besteht noch die Möglichkeit, eine geführte Gruppenreise zu wählen. Hat das jemand von euch schonmal gemacht? Reist ihr auch mal alleine oder lieber mit anderen zusammen?

Warum mir Stille wichtig ist

Titelbild "Warum mir Stille wichtig ist"

Früher war es in meinem Alltag eigentlich nie still. Bei mir lief immer das Radio, Musik oder irgendeine Mediathek-Sendung. Ohne Hintergrundbeschallung konnte ich mich nur schwer dazu aufraffen irgendetwas zu tun. Ich frage mich auch heute noch wie ich denn beim Lesen Musik hören konnte.

Heute ist das anders. Inzwischen höre ich nur noch selten Musik und das Radio sowie der PC bleiben aus. Phasen der Stille bzw. Phasen ohne weitere Hintergrundgeräusche sind mir mit der Zeit immer wichtiger geworden.

Was mir Stille gibt

Diese Zeiten geben mir Gelegenheit hinzuhören. Ich höre meine eigenen Gedanken besser und konzentriere mich leichter. Da das allgemeine Hintergrund „blablabla“ wegfällt, bin ich weniger abgelenkt und verliere mich nicht so schnell in diesem Rauschen.

Zudem höre ich gerne der Welt um mich herum zu: dem Gesang der Vögel, dem Summen und Brummen der Bienen und Hummel oder dem Wind, der mit dem Laub der Bäume spielt. Zudem bemerke ich Änderungen in der Lautstärke um mich herum eher; kehrt plötzlich Stille ein, genieße ich diese Verschnaufpause sehr.

Früher habe ich Musik gebraucht. Als Ablenkung vom Alltag, als Container für meine Gefühle und Gedanken und als Antrieb. Heute höre ich nur noch selten Musik. Musik transportiert Emotionen und farbenfrohe Bilder, die mich oft mitreißen oder mich (zu sehr) erfüllen. Im Alltag ist mir das oft zu viel. Ich spare mir Musik dann lieber auf…für Zeiten, in denen ich genau das will.

Zeiten der Stille im Alltag

Den Alltag erwähnte ich ja bereits. Manchmal gibt es viel zu tun, ich muss an viele Details, wichtige und nicht so wichtige Dinge denken und noch dafür sorgen, dass ich noch genügend Lebensmittel für die nächsten Tage im Kühlschrank habe. Das kann ganz schön stressig werden. Daher versuche ich mir Räume oder Phasen der Stille zu schaffen und habe daher einige Regeln für meinen Alltag eingeführt:

  • Meditieren. Ich meditiere jeden Morgen 10 bis 15 Minuten. Sollte ich doch zu lange im warmen und gemütlichen Bett gelegen haben, passiert es mir, dass ich nur noch zwei bis drei Minuten zur Verfügung habe. In dieser Zeit konzentiere ich meine Sinne auf einen Punkt, werde präsent und kann von diesem Punkt aus den Alltag bestreiten und auch wieder dorthin zurückgehen. Für mich bedeutet das auch viel weniger Drama im Alltag.
  • Radio und Fernseher / Mediathek ausschalten. Ich verzichte auf Hintergrundbeschallung dieser Geräte. Ich wähle lieber gezielt Sendungen oder Podcasts aus, die ich hören möchte.
  • Mobile Daten, W-Lan und Push-Benachrichtungen ausschalten. Meine mobile Daten und das W-Lan sind nur angeschaltet, wenn ich diese gerade brauche. Die meisten Push-Benachrichtungen habe ich ausgeschaltet. Ich möchte selbst entscheiden, wann ich ins Internet oder die sozialen Medien eintauchen möchte. Zudem gefällt es mir besser nicht von zahlreichen Meldungen überschwemmt zu werden, wenn ich die mobilen Daten oder das W-Lan anschalte. Eins nach dem Anderen, eine App nach der Anderen. SMS und Anrufe kommen trotzdem bei mir an.
  • Freizeit bedeutet für mich auch freie Zeit. Unverplante Zeit ist mir viel Wert. Es hilft mir Freizeitstress entgegen zu wirken. Wer entscheidet eigentlich, dass ich meine Freizeit mit derselben Effizienz und Effektivität wie mein Berufsleben gestalten soll? Genau, diese Entscheidung treffe ich! Öfter als mir lieb ist, brauche ich dafür allerdings eine Erinnerung!
  • Eins nach dem Anderen erledigen. Multi-Tasking fühlt sich für einige Zeit gut an, erschöpft mich jedoch stärker als eine Sache nach der Anderen zu erledigen. Trotzdem höre ich beim Putzen gerne den ein oder anderen Podcast. Oder ich lasse meine Gedanken dabei schweifen. Beim Putzen und Aufräumen räumt sich mein Kopf meist automatisch mit auf.
  • Gedanken aufschreiben. Ich schreibe meine Gedanken auf, mache mir Notizen oder schreibe Tagebuch, um meine Gedanken zu ordnen. Aufschreiben hilft mir auch herauszufinden, was ich wirklich denke und das wiederum schafft Ruhe im Kopf. Kenne ich meine innere Wetterlage, finde ich leichter heraus, was ich momentan brauche und was mir gut tut.

Ich muss hier anmerken, dass ich alleine wohne. Wer zusammen mit anderen Personen in einem Haushalt lebt, benötigt vielleicht Regeln, die sich auch auf das soziale Miteinander beziehen. Vielleicht braucht es dann Handy-freie-Zeiten, z.B. beim Abendessen.

Und du?

Wie gehst du mit Stille um? Wieviel Stille brauchst du? Wie schaffst du dir Räume der Stille?

[Gelesen] „Die Macht der Stille: Wie introvertierte und hochsensible Menschen ihre Besonderheit erkennen, verstehen und nutzen können“ von Sophia Dembling

E-Book Reader mit dem Buch "Die Macht der Stille"

Beim Stöbern in der Onleihe bin ich auf diesen Titel gestoßen. Das Thema interessiert mich, da ich mich selbst als eher introvertiert beschreiben würde und ich noch immer versuche herauszufinden, wie ich Reize ich gut verarbeiten kann, ohne mich total erschöpft zu fühlen.

Sophia Dembling schreibt im Plauderton und veranschaulicht Theorien durch Erlebnisse aus ihrem alltäglichen Leben. Auch andere introvertierte Personen kommen zu Wort. Zu Beginn erläutert sie die gängisten Theorien und Definitionen rund um Introversion und Extraversion. Laut C.G. Jung handelt es sich hier beispielsweise um psychische Energie, die bei der Introversion nach innen gerichtet ist und bei der Extraversion nach außen gerichtet ist. Das heißt die Ersteren laden ihre Batterien durch das Alleinsein auf und die Letzteren durch den Kontakt mit Anderen.
Zudem betont sie mehrmals, dass Intoversion nicht mit Schüchternheit zu verwechseln sei.

„Introversion ist mehr als die Abwesenheit von Extraversion.“

Allerdings stoßen viele introvertierte Personen im Laufe ihres Lebens auf Unverständnis. Oft werden sie mit Vorwürfen konfrontiert, sie seien zu still und hätten keine Ambitionen am sozialen Leben teilzunehmen. Viele introvertierte Personen schaffen es sehr gut sich im Alltag oder bei geselligen Aktivitäten wie extrovertierte Personen zu verhalten.

Doch irgendwann ist die Belastungsgrenze erreicht: Rückzug ist angesagt, um die eigenen Batterien wieder aufzuladen. Sophia Dembling ermutigt die eigenen Grenzen auszuloten, zu akzeptieren und sich genügend Zeit und Raum zur Regenration zu schaffen. Sei es nur ein Gang auf die Toilette während einer Party, ein kleiner Spaziergang während eines Familientreffens oder ein Wochenende mit niemanden außer sich selbst.

Die Autorin spricht zahlreiche (Alltags-)Themen an und gibt Ratschläge für den Job, Familie und Beziehung. Die zahlreichen Beispiele helfen möglicherweise dem eigenen Umfeld besser zu erklären, was Introversion bedeutet. Zusätzlich warnt Dembling vor typischen Fallen in die introvertierte Menschen leicht tappen. So kann es einem passieren, dass man sich vor lauter Freude am Alleinsein ein bisschen zu sehr von der Welt zurückzieht und sich schließlich einsam fühlt.

Leider wiederholt sich die Autorin immer wieder und wärmt bereits genannte Gedanken im späteren Verlauf immer wieder auf. Zudem könnte man nach der Lektüre zu der Meinung kommen, es gäbe entweder introvertierte oder extrovertierte Personen. Ich wehre mich dagegen, die Welt in schwarz und weiß bzw. extrovertiert und introvertiert einzuteilen. Ich denke, zu einer Persönlichkeit gehören weitaus mehr Facetten. Auch die extrovertiert/introvertiert-Skala wird breiter gefächert sein als es ein entweder/oder abbilden könnte.

Sehr viel hilfreicher und erhellender für mich war damals das Buch „Still –  Die Kraft der Introvertierten“ von Susan Cain. Sehr informativ ist auch der zugehörige TED Talk „The Power of Introverts“ .

„Die Macht der Stille: Wie introvertierte und hochsensible Menschen ihre Besonderheit erkennen, verstehen und nutzen können“ von Sophia Dembling – mvg Verlag – ISBN 978-3-86882-560-2 – 14,99 Euro.
Oder besser:
„Still –  die Kraft der Introvertierten“ von Susan Cain – Goldmann – ISBN 978-3-442-15764-8 – 9,99 Euro.

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