[Erinnerungen] Halloween in Dublin, 2005

Titelbild Erinnerungen Halloween Dublin 2005

Der Tag war klar und kühl, der Himmel strahlte blau. Ich war alleine zuhause, meine Gastfamilie war nicht da. Ich weiß nicht mehr, ob sie Verwandte besuchten oder im Urlaub waren. Sie waren jedenfalls eine Woche lang nicht zuhause, ich hütete das Haus – ich hatte ein ganzes Haus für mich alleine. Ein Haus in dem sonst immer etwas los war: Kinder lachten oder weinten, der Fernseher oder das Radio lief, die Nachrichten wurden diskutiert oder Besuch war da. Es war immer etwas los.

Ich war alleine, ich atmete auf, ich genoss die Ruhe und hatte Zeit meine ersten Monate als Aupair zu reflektieren. Heimweh plagte mich hin und wieder,  Zweifel nagten an mir. Die Frage, ob ich diesen Job wirklich ein ganzes Jahr machen wollte, hing in der Luft.

Doch wenn ich an diesen Tag denke, erinnere ich mich an andere Dinge. Ich erinnere mich an den blauen Himmel, ich erinnere mich daran, wie ich Karotten-Kartoffel-Suppe  gekocht und zum Mittag gegessen hatte. Ich hatte extra mehr gekocht, da J. später noch vorbei kommen wollte. J. brachte eine Packung Nudeln, Tomatensauce und Käse mit. Es war diese bestimmte Art von Nudeln, die wir alle aus der TV-Werbung kennen. Wir kochten die Nudeln, erhitzen die Sauce und ich aß zum zweiten Mal Mittag, während J. zum ersten Mal Mittag aß. Es schmeckte, wie es schmecken sollte.

Wir schauten eine DVD, an den Film erinnere ich mich nicht mehr. Als es anfing zu dämmern, zündete ich die Kerze im Halloween-Kürbis an, der an der reichlich dekortieren Haustür stand. J. und ich unterhielten uns  während wir auf die Halloween-Kinder warteten. Trick or Treat – ich hoffte auf viele interessante Verkleidungen, nette Kinder und keine Tricks.  Die Kinder kamen zahlreich und Tricks gab es keine. J. hatte große Freude, die Tür zu öffnen und die Schokolade zu verteilen. Für sie war das neu, sie kam aus einem anderen Teil Deutschlands und dort gab es keine Laternen-Umzugs -Tradition, bei der die Kinder von Tür zu Tür gingen und sich Süßigkeiten ersangen.

Irgendwann ging J. nach Hause, ich versprach ihr, die Tür keiner weiteren Gruppe zu öffnen und sie versprach mir, mir eine SMS zu schicken, sobald sie sicher zuhause angekommen war. Ich verstand nach drei weiteren Trick-or-Treat-Gruppen, dass ich die Kerze im Kürbis löschen musste, damit niemand mehr klingelte. Nachdem das Haus dunkel war, kamen keine weiteren Gruppen.  Doch das Feuerwerk, das in Irland damals gar nicht offiziell erlaubt war, hörte ich die ganze Nacht.

Es war ein schöner Tag.

[Gelesen] Das Kleiderschrank-Projekt von Anuschka Rees

Titelbild Buchbesprechung "Das Kleiderschrank-Projekt" von Anuschka Rees

Vor einigen Monaten erlebt ich Wäsche-Wasch-Stress. Wäsche-Wasch-Stress ohne Wäscheberge. Mein Wäsche-Problem lag woanders: mein Kleiderschrank war noch gut bestückt, doch in der Wäsche lagen Kleidungsstücke, die ich gebraucht hätte. Gleichzeitig war mein Wäscheberg für eine Waschladung noch zu klein. Ich habe daraufhin meine Kleidungsstücke genauer angeschaut, gezählt und hatte drei Erkenntnisse:

  1. Ich besitze viel weniger Kleidungsstücke als erwartet.
  2. Ich hatte einiges im Schrank, was ich regelmäßig anzog und doch nicht mehr mochte.
  3. Es fehlten mir diverse Basisbausteine (Unterziehshirts, etc.).

Ein- bis zwei Basisbausteine habe ich mir daraufhin gekauft und hatte dann ganz schnelle keine Lust mehr. Muss auch irgendwie so gehen, dachte ich. Nee, hat nicht immer gut geklappt. Als ich in der Bücherei „Das Kleiderschrank-Projekt – Systematisch zum eigenen Stil und zu bewusstem Modekonsum“ von Anuschka Rees entdeckte, habe ich es mir gleich ausgeliehen!

Inhalt

Die Ausgangslage ist ein zu voller Kleiderschrank, in dem man doch nichts passendes zum Anziehen findet. Die Autorin Anschuska Rees kennt diese Problematik nur zu gut, da auch sie früher sehr viele Kleidungsstücke besaß und immer wieder neue, günstige Teile dazu kaufte. Irgendwann kam sie zu der Erkenntnis, dass nicht mehr Kleidung die Lösung ist, sondern ausgewählte Kleidung, die zum Alltag passt und in der man sich gleichzeitig wohlfühlt.

Modetrends, verschiedene Kleidungsstile oder Must-Have-Listen spielen im Buch keine Rolle. Die Autorin schlägt ihren Leser_innen verschiedene Übungen und Aufgaben vor, um zur individuell passenden Gardrobe zukommen. Als Beispiel nenne ich hier die Stichworte: Experimente im Kaufhaus, Stil-Profil und Moodboard. Sie gibt Hilfestellung beim Kleiderschrankausmisten, schlägt Farbkonzepte vor und hat eine Kriterienliste erstellt, anhand derer sich hochwertige Kleidung erkennen lässt.

Bewertung & Fazit

Das Kleiderschrank-Projekt ist kein Buch, das ich schnell und nebenher gelesen habe. Gerade wenn man die Übungen Schritt für Schritt bearbeiten möchte, braucht man ausreichend Zeit und Geduld. Zu Beginn war ich noch reichlich motiviert und habe genau das gemacht, doch spätestens als es darum ging im Internet nach Outfits zu suchen oder im Kaufhaus diese Varianten auszuprobieren (aber nicht zu kaufen), habe ich weitergelesen ohne die Übungen zu bearbeiten. Erst die späteren Kapitel wurden wieder interessanter für mich! Hierzu gehören das achte Kapitel, in dem es um eine Gardrobe für das eigene, echte Leben geht. Besonders gefallen haben mir die Tortendiagramme für die Alltagsanalyse! Auch das 14. Kapitel war nochmal besonders interessant für mich, da es das Thema Capsule Wardrobe behandelt.

Ich habe definitiv wertvolle Impulse aus der Lektüre mitgenommen und habe auch schon einige Anpassungen an meiner Gardrobe vorgenommen bzw. werde es noch tun. Abgeschlossen ist der Prozess noch nicht, da ich den Jetzt-Zustand im Alltag erst erproben werde.

Ich empfehle das Kleiderschrank-Projekt jenen Personen, die in irgendeiner Weise unzufrieden mit ihrer Gardrobe sind. Mithilfe der Übungen lässt sich nämlich ziemlich gut herausfinden, was genau nicht mit dem eigenen Kleiderschrank stimmt. Zum anderen kann ich mir vorstellen, dass Menschen, die sich sehr für Mode interessieren und sich daran erfreuen, viel mit dem Buch anfangen können.

„Das Kleiderschrank-Projekt – Systematisch zum eigenen Stil und zu bewussten Modekonsum“ von Anuschka Rees, übersetzt von Rasha Khayat – Dumont – ISBN 978-3-8321-9926-5 – 28,00 Euro.