[Gelesen] Die Phantasie einer Schildkröte von Judith Pinnow

Titelbild [Gelesen] Die Phantasie einer Schildkröte von Judith Pinnow

Der Roman „Die Phantasie einer Schildkröte“ von Judith Pinnow ist mir zu allererst durch das Cover aufgefallen. Das Cover in Kombination mit dem Titel erinnerte mich an die Schildkröte Kassiopeia aus Michael Endes Kinderbuch „Momo“. Meine Neugier war geweckt. Gleichzeitig entdeckte ich eine Leserunde mit Buchverlosung bei LovelyBooks, ich nahm an der Verlosung teil und gewann tatsächlich ein Exemplar.

Inhalt

Edith, 45 Jahre, ist Single und lebt sehr zurückgezogen. Sie ordnet ihren Alltag sehr genau und hält sich penibel an ihre Struktur. Sie plant am Wochenende, was sie in der kommenden Woche anziehen wird und was sie essen wird. Auch die Abende sind perfekt geplant: feste Essens-, Fernseh- und Schlafenszeiten geben ihr Halt. Kontakt zu anderen Menschen hat sie eigentlich keinen. Edith bleibt gerne alleine, lediglich ihre Mutter trifft sie einmal im Monat. Und auch das ist kein Vergnügen, da Ediths Mutter sie immerzu kritisiert und bemängelt.

Als plötzlich ein zehnjähriges Mädchen Ediths Alltag kräftig durcheinanderwirbelt, muss Edith mehr als einmal ihre Komfortzone verlassen. Das Mädchen trägt Edith seltsame Aufgaben auf, die alle ein gemeinsames Ziel haben:  neue Erfahrungen sammeln und Kontakte zu anderen Menschen aufbauen.

Leseerfahrung & Bewertung

Die Phantasie einer Schildkröte von Judith Pinnow ist ein unterhaltsamer Roman, der unangenehme Themen nicht ausspart. Edith hat sich eingesperrt in ihrer Komfortzone und das hat einen Grund. Sie hat die harte Kritik, die ihre Mutter stets an ihr geübt hat, verinnerlicht. In ihrer engen Struktur ist sie sicher und braucht sich nicht mit anderen Menschen befassen – bis das Mädchen alles durcheinander bringt.

„Sie ist mir zugelaufen wie ein kleiner Hund. Sie bringt mich dazu völlig absurde Dinge zu tun und wider aller Vernunft fühlt sich das richtig an.“ (S. 67)

Die Aufgaben, die das Mädchen Edith erteilt, zeigen ihre Wirkung. Seit langer Zeit beschäftigt sie sich wieder mit ihren Sehnsüchten und Wünschen an das Leben. Die Mauern, die sie errichtet hat, beginnen zu bröckeln. Zwei Schritte vor, ein Schritt zurück. Manchmal geht es schneller, manchmal fühlt sich Edith überfordert und flieht zurück in ihre Komfortzone. Hierdurch wirkt Edith zutiefst menschlich und zugleich sehr sympathisch!

„Mein Leben geht vorbei, und ich habe nichts davon. Gar nichts. Ich mache an einer hüfthohen Mauer halt und stelle den schweren Korb ab. Es kommt mir vor, als würde ich schon mein Leben lang mit einem zu schweren Korb herumlaufen. Mit Erbsen drin, die ich nicht mag.“
(S. 167)

Der Roman könnte schwere und traurige Kost sein, ist er aber nicht, da Judith Pinnow es schafft immer wieder sehr komische Szenen in die Handlung einzubauen, wodurch der Roman sehr leicht wirkt und höchst angenehm zu lesen ist. Zudem regt Ediths Geschichte auch zum Nachdenken an. Was ist die eigene Komfortzone? Wie sehen die eigenen Gewohnheiten aus? Sind sie hilfreich oder sperren sie ein? Welche Alltags-Abenteuer-Aufgaben würde das zehnjährige Mädchen einem selbst auftragen? Wie sähe die eigene Reaktion aus? usw.

„Die Phantasie einer Schildkröte“ ist ein Roman, der mir als Leserin wohlig-warme Gefühle und eine angenehme Gänsehaut beschert hat. Ich empfehle den Roman all denjenigen,  die ein unterhaltsames Buch mit viel Gefühl, etwas Komik, magischen Momenten und sympathischen Charakteren lesen möchten.

P.S.: Es kommen wirklich Schildkröten im Roman vor.

„Die Phantasie einer Schildkröte“ von Judith Pinnow – Fischer Krüger – ISBN 978-3-8105-3035-6 – 19,99 Euro.

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