Kategorie: Minimalismus

[Gelesen] The Art of Asking von Amanda Palmer

Titelbild [Gelesen] The Art of Asking

The Art of Asking: Wie ich aufhörte, mir Sorgen zu machen und lernte, mir helfen zu lassen“ ist bereits einige Male begeistert in meiner Internetblase besprochen worden. Der Titel stand schon länger auf meiner Wunschliste, doch gekauft hatte ich das Buch bisher nicht. Letzten Monat habe ich es dann zufällig in der Onleihe entdeckt und gleich vorgemerkt.

Inhalt

Amanda Palmer schreibt über das Bitten. Es fällt uns in der Regel schwer um Hilfe zu bitten, da wir nicht schwach oder bedürftig erscheinen möchten. Amanda Palmer arbeitete zunächst unter anderem als lebendige Statue bevor sie ihre Karriere als Musikerin begann.
Sie pflegt einen engen Kontakt zu ihrer Fangemeinschaft – zu Beginn mit Hilfe diverser E-Mail Listen und später durch die unterschiedlichen sozialen Netzwerke. Sie hat ihre Fans schon um Übernachtungsmöglichkeiten und Verpflegung auf Tour gebeten und hat letztendlich ein ganzes Album durch Crowdfounding finanziert.

Die Basis des Buchs ist ihre eigene Lebenserfahrung. Sie beschreibt, sie das Bitten und Hilfe annehmen gelernt hat. Zudem betont sie, dass nicht nur die Person, die Hilfe erhält durch dieses Tat gewinnt. Eine Bitte ist ein Vertrauensangebot an eine andere Person. Wer das Wagnis eingeht, sich verletzlich zu zeigen, zeigt das sie_er vertraut und in einer Beziehung mit der anderen Person steht, wodurch Gemeinschaft entsteht.

Bewertung & weiterführende Gedanken

Ehrlich gesagt, waren meine Erwartungen an das Buch ganz andere! Ich hätte gedacht, die Autorin untermauert ihre Erfahrungen und Erkenntnisse sehr viel stärker mit Fakten oder Daten aus der Soziologie, Psychologie oder Philosophie.
Das war nicht der Fall. Ich habe allerdings einiges über Amanda Palmer als Künstlerin, über ihren Lebenslauf und ihre Beziehungen zu anderen Menschen erfahren. Phasenweise langweilten mich die Erzählungen über diverse Tourneen und Musiker_innenprobleme. Nach ca. 100 E-Book Seiten überlegte ich ernsthaft die Lektüre vorzeitig abzubrechen. „The Art of Asking“ ist kein literarisches Meisterwerk und doch hat es mir wertvolle Impulse gegeben. Besonders die Essenz des Buches hat mich nachdenklich gestimmt. Ich habe mich gefragt, ob ich um Hilfe bitte und wie sich dieses Bitten für mich eigentlich anfühlt. Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass ich ungern um Hilfe bitte. Es fühlt sich einfach zu unangenehm an. Warum ist das so?

Ich denke, es hat mit einem (eingebildeten?) Machtgefälle zu tun. Als Person, die um Hilfe bittet, fühle ich mich bedürftig, schwach, nicht selbstständig oder untüchtig. Die Person, die mir die Hilfe gibt, verkörpert Stärke, Einfluss und Macht. Ich möchte selbstbestimmt leben, also verzichte ich vielleicht eher auf XYZ oder spare bis ich XYZ kaufen kann.

Das funktioniert nicht! Gerade im Hinblick auf den Minimalismus und die damit verwandten Themen wie Postwachstumsökonomie, gemeinschaftliches gärtnern, Repair Cafés, nachbarschaftliche Hilfe, usw. Zentraler Bestandteil dieser Gesellschaftsidee ist die Gemeinschaft, die sich gegenseitig hilft und unter die Arme greift. Wenn wir wollen, dass das funktioniert, sollten wir versuchen die inneren Bilder von Machtgefällen Schritt für Schritt loszulassen. Amanda Palmer berichtet in ihrem Buch ebenfalls darüber, wie es ihr gelang, diese verinnerlichten Vorstellungen zu überwinden und sich auf Hilfe einzulassen.

Ich möchte nicht predigen oder ermahnen, sondern zuallererst üben, selbt zu bitten und zu üben, darauf zu vertrauen, dass ich durch die angenommene Hilfe nicht meine Souveränität verliere.

„The Art of Asking: Wie ich aufhörte, mir Sorgen zu machen, und lernte, mir helfen zu lasse“ von Amanda Palmer, übersetzt von Viola Krauß – Eichborn Verlag – ISBN 978-3-8479-0597-4 – 16,99 Euro.

Weihnachten – ohne Geschenke & Postkarten

Titelbild Weihnachten ohne Geschenke

Vor einem Jahr hätte ich es mir nicht vorstellen können, dass ich Weihnachten ohne Geschenke und Postkarten feiere. Vielleicht wollte ich es genau deswegen einmal ausprobieren! Im September dachte ich in diesem Jahr zum ersen Mal wieder an an Weihnachtsgeschenke und fühlte mich allein schon beim Gedanke daran gestresst. Zudem habe ich beim wiederholten Sachen aussortieren bemerkt, wie oft Geschenke, kleine Aufmerksamkeiten oder Mitbringsel in meinem „Kann gehen“-Karton gelandet sind. Meine Lösung für dieses Jahr: Ich mache da dieses Jahr nicht mit. Ich möchte keine Geschenke haben, keine Geschenke verschenken und auch keine Postkarten schreiben.

Die Ankündigung

Nachdem mir diese Lösung klar vor Augen stand, informierte ich meine Mitmenschen. Entweder persönlich im Gespräch, am Telefon oder auch per Sammel-E-Mail. Insgeheim rechnete ich mit Ausrufen wie: „Das kannst du doch nicht machen!“. Doch es kam anders! Hier einige Beispiele aus verschiedenen Kontexten:

  • „Ich habe schon ein Geschenk, das kommt jetzt zu spät.“
  • „Ich mache mit!“
  • „Berichte mir unbedingt darüber, wie diese Zeit für dich war.“
Geschenkefrei wirkt befreiend

Ich war wirklich froh, dass ich mich nicht in den Einkaufsdschungel stürzen musste, um Geschenke zu finden, diese dann zu verpacken und vielleicht auch noch zu verschicken. Ein passendes Geschenk zu finden fällt mir nicht immer leicht. Im Grunde ist es eine 50/50-Chance: entweder gefällt es oder nicht. Mir wäre es natürlich lieber, es würde gefallen. Auch mit Kopfzerbrechen habe ich in der Vergangenheit schon ziemlich daneben gelegen! Andererseits frage ich mich auch, weshalb ich Dinge verschenke, wenn unsere Wohnungen sowieso voll mit Dingen sind (die wir oft gar nicht brauchen)?
Es fiel mir sehr leicht und es fühlte sich gar nicht wie ein Verzicht an, sondern eher wie eine Befreiung von dieser saisonalbedingten Konsumpflicht. Es hat mich auch nicht gestört, dass andere Menschen um mich herum beschenkt wurden. Im Grunde war ich einfach froh über die freie Zeit.

Positiv ist mir aufgefallen, dass der Müllberg unterm Weihnachtsbaum nach der Bescherung deutlich kleiner war. Weniger Verpackung und weniger Geschenkpapier, allerdings hat auch niemand ein pink-rosa-Spielzeugauto mit Anhänger für Pferde oder ähnliches geschenkt bekommen! In dem Fall hätte der Müllberg sicherlich anders ausgesehen.

Karten & Briefe kann ich nicht nur an Weihnachten versenden

In der Vergangenheit habe ich ziemlich oft ziemlich viele Weihnachtskarten geschrieben und verschickt. Fast an jede Person, die ich kenne. Damals hat mir das noch Freude bereitet und einmal mit dieser Tradition angefangen, wollte ich nicht mehr aufhören. Oft waren diese Karten auch ein Anlass dafür, dass ich wieder (mehr) Kontakt zu Menschen hatte, die ich über das Jahr hinweg aus den Augen verloren hatte.

Auch diese Fließbandweihnachtskartenproduktion habe ich nicht vermisst. Ich schreibe immer noch gerne Karten und Briefe. Zukünftig möchte ich nicht darauf verzichten, werde meine Karten & Briefe jedoch im Jahresverlauf verteilen. Es gibt schließlich viele Gründe für papierende Grüße: Geburtstage, Sommergrüße, einfach mal so … .

Nach diese guten Erfahrung setze ich diese „neue“ Tradition auch im nächsten Jahr wieder fort.

Fazit zur Konsumauszeit

Titelbild zum Fazit meiner Konsumauszeit

Der Monat ist vergangen und ich habe oft über meinen Konsum und Nicht-Konsum nachgedacht. Im Grunde fiel es mir recht leicht, nicht zu den verpackten Keksen zu greifen und keine neuen Bücher zu leihen oder zu kaufen. Ich war bei jedem Gang durch die Einkaufsstraße froh, dass ich nicht am Weihnachtsshoppingwahnsinn teilnehme und all diesen Kram links liegen lassen kann. Mein Fazit ist wieder eine Gedankensammlung und am Ende geht es gar nicht mehr um das Kaufen und Nicht-Kaufen.

Konsum als Ablenkung

Vor ein paar Jahren habe ich schon einmal eine Konsumauszeit gemacht. Alleine, nur für mich und mit dem Ziel Geld zu sparen. Es fiel mir damals schwerer. Diese Konsumauszeit fiel damals ebenfalls in den November und all der Glitzer, das Blingbling der Geschäfte zog mich an. Ich denke, ess fällt mir inzwischen leichter, da mein tägliches drumherum anders aussieht und auch das innendrinn anders aussieht. Es gibt weniger Stressquellen. Damals wohnte ich in einer Wohnung, in der die Heizung immer mal wieder ausfiel, gleichzeitig waren da Prüfungsstress und Zukunftssorgen (Werde ich später eine Stelle finden? Studiere ich auch das richtige Fach? usw.). Was ich damit sagen möchte:

Wenn ich zufrieden bin, brauche ich weniger Ablenkung von meiner Unzufriedenheit.

Gleichzeitig gilt auch: Lenke ich mich weniger von den Gründen meiner Unzufriedenheit, kann ich diese vermutlich besser angehen und meinen Alltag Schritt für Schritt verändern.

Was ist mir wichtig?

Oder auch: Was brauche ich zum Leben? Brauchen ist so eine Sache für sich. Ich besitze einige Dinge, die ich zum puren Überleben nicht brauchen würde, dennoch empfinde ich diese Dinge als nützlich oder schön.
Als ich mir diese Frage zum ersten Mal bewusst stellte, hielt ich meine Antworten sehr allgemein. Es war quasi so, dass ich erst das abkratzen musste, was die Gesellschaft, Werbung, Familie oder wer auch immer mir für Prioritäten mitgegeben hat. Inzwischen antworte ich anders und kann besser formulieren, was mir persönlich wichtig ist.

Im Alltag gehört dazu beispielsweise

  • guter Schlaf
  • eine warme Tasse Tee in den Händen halten
  • nährendes Essen
  • Bewegung
  • ruhige Momente
  • frische Luft
  • Gespräche, die das Herz zum Singen bringen
Meine aktuelle Baustelle

Aktuell beschäftigt mich die Themen Zeitwohlstand und Umgang mit meiner Zeit sehr. Auch meine Konsumauszeit stand im Licht dieser Frage. Ich bin zu folgender Erkenntnis gekommen:

Jeglicher Konsum beansprucht Zeit/Energie.

Ich möchte gerne alles was ich besitze benutzen und sorgsam mit den Dingen umgehen, damit sie mir lange erhalten bleiben. In diesem Kontext bedeutet das Wort Konsum mehr als Kaufen von Dingen. Es geht mir auch um Inhalte oder Informationen mit denen ich mich beschäftige. Auch dieser Konsum benötigt Zeit und meine persönliche Energie. Ich kann nur ein bestimmtes Maß an Information pro Tag sinnvoll verarbeiten bevor alles zu einer Art Sumpf wird.

Auf diesem Hintergrund erhält auch mein Minimalismus eine neue Dimension. Das ist noch Neuland für mich und diese Entwicklung wurde nicht nur durch die Konsumauszeit angestoßen, auch mein fernsehfreier Monat und Gespräche mit anderen Minimalist_innen spielen eine Rolle. Im Grunde sage ich mir: es bleibt weiter spannend.