Kategorie: Buchbesprechungen

[Gelesen] Verstecken gilt nicht! Wie man als Schüchterner die Welt erobert von Melina Royer

Titelbild Buchbesprechung "Verstecken gilt nicht: Wie man als Schüchterner die Welt erobert" von Melina Royer

„Du bist inzwischen wirklich zu alt für Schüchternheit!“, Autsch! – dieser Kommentar fühlte sich damals an wie eine Ohrfeige.  Ich bin mal weniger und mal stärker schüchtern. So manches Mal habe ich mir durch meine Schüchternheit schon ziemliche Steine in den Weg gelegt. Es gab Zeiten, da dachte ich irrtümlicherweise, ich wäre der einzige Mensch, der damit zu kämpfen hat. Doch im Sommer entdeckte ich Melina Royers Blog „Vanilla Mind – ein Business Blog für Schüchterne und Introvertierte“ und wusste, so alleine bin ich gar nicht! Ihr Buch „Verstecken gilt nicht! Wie man als Schüchterner die Welt erobert“ habe ich inzwischen bereits  zwei Mal begeistert gelesen.

Mit Small-Talk-Ratgebern konnte ich noch nie viel anfangen. Falls ich es doch probierte und einen der 50 Sätze für ein erfolgreiches Gespräch ausprobierte, irritierte ich meine Mitmenschen stärker als mir lieb war. Melinas Buch fällt nicht in diese Kategorie! In  „Verstecken gilt nicht! Wie man als Schüchterner die Welt erobert“ bietet sie schüchternen Menschen Werkzeuge an, die helfen, sich eine gute Basis zu schaffen, damit man genügend Kraft hat, um der Welt und den eigenen Ängsten in die Augen zu schauen.

Inhalt

Melina Royer erklärt das Phänomen „Schüchternheit“ in fünf Kapiteln und einer Einleitung. Im ersten Kapitel geht sie darauf ein, was Schüchternheit bedeutet und erklärt, dass Introversion nicht mit Schüchternheit gleichzusetzen ist (immer wieder ein großes Missverständnis). Im zweiten Kapitel beschäftigt sie sich mit der Schüchternheit und ihren Begleitern wie bspw. dem Perfektionismus oder den Gedankenkarussell – Dinge, die schüchterne Menschen oft zusätzlich zurückhalten. Im dritten Kapitel gibt Melina ihren Leser_innen Werkzeuge an die Hand, um das eigene Selbst aufzubauen. Die Themen sind bspw. Selbstachtung, Selbstreflexion und Psychohygiene. Auch die eigenen Gefühle und Gespräche mit (fremden) Menschen spielen eine Rolle. Im vierten Kapitel geht Melina auf weitere unterstützende Maßnahmen wie bspw. eine Morgenroutine, Sport und ein wertschätzendes Umfeld ein. Das abschließende Kapitel behandelt den Wert von Pausen, Grenzen, Niederlagen und kleinen Schritten. Auf 221 Seiten sind eine ganze Bandbreite an Themen untergebracht!

Bewertung

Melina Royer schreibt hemmungslos ehrlich, zeigt Verständnis und bringt immer wieder ihren Sinn für Humor ein. Das Ganze ergänzt sie durch Schilderungen aus ihrer eigenen Geschichte, wodurch das Buch sehr authentisch wirkt. Ich hatte beim Lesen stets das Gefühl mich mit einer lieben, ehrlichen Freundin zu unterhalten, die mich motiviert und mich mit der passenden Dosis Schwung in die richtige Richtung schuppst. Aus diesem Grund habe ich es auch schon zwei Mal gelesen!
Zudem hat mich die Herangehensweise stark angesprochen, da mir hier mehr als Small-Talk-Phrasen zum Auswendig-lernen angeboten werden. Arbeite ich an meiner eigenen, inneren Stärke, fällt es mir „leichter“ mich meinen Ängsten zu stellen. Leichter in Gänsefüßchen, da sich Ängste nun mal wie Ängste anfühlen.
„Verstecken gilt nicht!“ ist ein hilfreiches Buch und ich empfehle es gerne allen schüchternen Menschen. Wer 2018 mit ihrer_seiner Schüchternheit die Welt erobern möchte, findet in diesem Buch sicherlich einen guten Begleiter!

„Verstecken gilt nicht! – Wie man als Schüchterner die Welt erobert“ von Melina Royer – Kailash – ISBN 978-3-424-63150-0 – 12,00 Euro.

[Gelesen] Das Kleiderschrank-Projekt von Anuschka Rees

Titelbild Buchbesprechung "Das Kleiderschrank-Projekt" von Anuschka Rees

Vor einigen Monaten erlebt ich Wäsche-Wasch-Stress. Wäsche-Wasch-Stress ohne Wäscheberge. Mein Wäsche-Problem lag woanders: mein Kleiderschrank war noch gut bestückt, doch in der Wäsche lagen Kleidungsstücke, die ich gebraucht hätte. Gleichzeitig war mein Wäscheberg für eine Waschladung noch zu klein. Ich habe daraufhin meine Kleidungsstücke genauer angeschaut, gezählt und hatte drei Erkenntnisse:

  1. Ich besitze viel weniger Kleidungsstücke als erwartet.
  2. Ich hatte einiges im Schrank, was ich regelmäßig anzog und doch nicht mehr mochte.
  3. Es fehlten mir diverse Basisbausteine (Unterziehshirts, etc.).

Ein- bis zwei Basisbausteine habe ich mir daraufhin gekauft und hatte dann ganz schnelle keine Lust mehr. Muss auch irgendwie so gehen, dachte ich. Nee, hat nicht immer gut geklappt. Als ich in der Bücherei „Das Kleiderschrank-Projekt – Systematisch zum eigenen Stil und zu bewusstem Modekonsum“ von Anuschka Rees entdeckte, habe ich es mir gleich ausgeliehen!

Inhalt

Die Ausgangslage ist ein zu voller Kleiderschrank, in dem man doch nichts passendes zum Anziehen findet. Die Autorin Anschuska Rees kennt diese Problematik nur zu gut, da auch sie früher sehr viele Kleidungsstücke besaß und immer wieder neue, günstige Teile dazu kaufte. Irgendwann kam sie zu der Erkenntnis, dass nicht mehr Kleidung die Lösung ist, sondern ausgewählte Kleidung, die zum Alltag passt und in der man sich gleichzeitig wohlfühlt.

Modetrends, verschiedene Kleidungsstile oder Must-Have-Listen spielen im Buch keine Rolle. Die Autorin schlägt ihren Leser_innen verschiedene Übungen und Aufgaben vor, um zur individuell passenden Gardrobe zukommen. Als Beispiel nenne ich hier die Stichworte: Experimente im Kaufhaus, Stil-Profil und Moodboard. Sie gibt Hilfestellung beim Kleiderschrankausmisten, schlägt Farbkonzepte vor und hat eine Kriterienliste erstellt, anhand derer sich hochwertige Kleidung erkennen lässt.

Bewertung & Fazit

Das Kleiderschrank-Projekt ist kein Buch, das ich schnell und nebenher gelesen habe. Gerade wenn man die Übungen Schritt für Schritt bearbeiten möchte, braucht man ausreichend Zeit und Geduld. Zu Beginn war ich noch reichlich motiviert und habe genau das gemacht, doch spätestens als es darum ging im Internet nach Outfits zu suchen oder im Kaufhaus diese Varianten auszuprobieren (aber nicht zu kaufen), habe ich weitergelesen ohne die Übungen zu bearbeiten. Erst die späteren Kapitel wurden wieder interessanter für mich! Hierzu gehören das achte Kapitel, in dem es um eine Gardrobe für das eigene, echte Leben geht. Besonders gefallen haben mir die Tortendiagramme für die Alltagsanalyse! Auch das 14. Kapitel war nochmal besonders interessant für mich, da es das Thema Capsule Wardrobe behandelt.

Ich habe definitiv wertvolle Impulse aus der Lektüre mitgenommen und habe auch schon einige Anpassungen an meiner Gardrobe vorgenommen bzw. werde es noch tun. Abgeschlossen ist der Prozess noch nicht, da ich den Jetzt-Zustand im Alltag erst erproben werde.

Ich empfehle das Kleiderschrank-Projekt jenen Personen, die in irgendeiner Weise unzufrieden mit ihrer Gardrobe sind. Mithilfe der Übungen lässt sich nämlich ziemlich gut herausfinden, was genau nicht mit dem eigenen Kleiderschrank stimmt. Zum anderen kann ich mir vorstellen, dass Menschen, die sich sehr für Mode interessieren und sich daran erfreuen, viel mit dem Buch anfangen können.

„Das Kleiderschrank-Projekt – Systematisch zum eigenen Stil und zu bewussten Modekonsum“ von Anuschka Rees, übersetzt von Rasha Khayat – Dumont – ISBN 978-3-8321-9926-5 – 28,00 Euro.

[Gelesen] Loslassen von Katharina Finke

Titelbild Gelesen Loslassen von Katharina Finke

Hand aufs Herz! Wer träumt nicht gelegentlich davon sich gänzlich von seinen Besitztümern zu trennen, den eigenen Besitz auf einen Koffer zu beschränken und die Welt zu entdecken? Zugegeben, ich träume immer mal wieder davon und gleichzeitig ist mir klar, dass meine Vorstellung von diesem Leben eine sehr romantische ist. Von der Nähe zur Realität ganz zu schweigen! Als ich mal wieder träumend in einer Buchhandlung stöberte, entdeckte ich das Buch „Loslassen: Wie ich die Welt entdeckte und verzichten lernte“ von Katharina Finke und kaufte es.

Inhalt

Katharina Finke ist schon eine Weile in der Welt unterwegs, sie lebt aus ihrem Koffer und doch ist da noch die Wohnung, in der sie lange mit ihrem Freund zusammen gewohnt hat. Als das Paar sich  trennt sich und entschließen sie sich dazu, die Wohnung aufzulösen. Katharina verkauft und verschenkt fast ihren ganzen Besitz. Lediglich einen Karton mit Erinnerungsstücken schickt sie zu ihren Eltern. Sie ist unabhängig und macht sich mit einem Koffer, der all ihren Besitz umfasst, auf den Weg, die Welt zu entdecken.

„Zu wissen, dass ich jeden Moment meine Siebensachen packen und weiterziehen konnte, hatte mir ein Gefühl von Freiheit gegeben,  bei dem mir nichts fehlte.“ (S.  14)

Das Buch setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Der erste Teil beschäftigt sich mit ihrem Leben, der zu diesem Schritt führte. Der zweite Teil beschäftigt sich mit dem, was nach diesem Schritt folgte. Die Autorin lebt nicht von Luft und Liebe, sondern muss auch unterwegs Geld verdienen. Sie arbeitet als freie Journalistin und verkauft ihre Geschichten / Reportagen an große deutsche Verlage und TV-Sender. Acht-Stunden-Tage sind da eine Seltenheit. Sie pendelt zwischen dem Wunsch nach Freiheit und der Sorge, keinen nächsten Auftrag zu erhalten. Gleichzeitig schildert sie langsamere Zeiten, in denen es sehr viel entspannter zuging.

„Loslassen“ zeigt beide Seiten des ortunabhängigen Lebensstils: die guten und die schlechten Tage. Bei all dem Reisen und Unterwegssein wird zudem deutlich, dass Katharina Finke nicht nur die Welt entdecken möchte, sondern auch auf der Suche nach sich selbst und ihrer eigenen Identität ist.

„Mir war zwar klar, dass mein zielloses Durch-die-Welt-Jetten nicht gut für die Umwelt war, aber dieses Bewusstsein wurde überlagert von der Flucht vor mir Selbst. Ich war nicht im Reinen mit mir und suchte die Lösung dafür in neuen Reisezielen.“ (S. 114)

Leseerfahrung und Bewertung

„Loslassen: Wie ich die Welt entdeckte und verzichten lernte“ von Katharina Finke liest sich schnell und leicht. Ihre Sprache ist klar und ohne Schnörkel, an manchen Stellen hätte ich mir weitläufigere Reisebeschreibungen oder eine tiefere Reflexion gewünscht. Als Leser_in sollte man keinen Ratgeber erwarten, der einem erklärt, wie man nun all seine Sachen los wird und ortsunabhängig arbeitet.  Katharina Finke beschreibt ihren eigenen, persönlichen Weg und die Erfahrungen, die sie auf diesem Weg gemacht hat. Ganz sicher aber können viele Leser_innen wertolle Impulse aus der Lektüre mit in ihr eigenes Leben nehmen. So erging es zu mindestens mir, denn eine Fragestellung ist mir besonders hängen geblieben: „An was willst du festhalten?“

Ich empfehle das Buch all denen, die gerne biografische Berichte oder Reiseerzählungen lesen und offen für die Idee eines minimalistischen Lebensstil sind.

„Loslassen: Wie ich die Welt entdeckte und verzichten lernte“ von Katharina Finke – MALIK – ISBN 978-3-890-29481-0 – 15,00 Euro.

[Gelesen] Die Phantasie einer Schildkröte von Judith Pinnow

Titelbild [Gelesen] Die Phantasie einer Schildkröte von Judith Pinnow

Der Roman „Die Phantasie einer Schildkröte“ von Judith Pinnow ist mir zu allererst durch das Cover aufgefallen. Das Cover in Kombination mit dem Titel erinnerte mich an die Schildkröte Kassiopeia aus Michael Endes Kinderbuch „Momo“. Meine Neugier war geweckt. Gleichzeitig entdeckte ich eine Leserunde mit Buchverlosung bei LovelyBooks, ich nahm an der Verlosung teil und gewann tatsächlich ein Exemplar.

Inhalt

Edith, 45 Jahre, ist Single und lebt sehr zurückgezogen. Sie ordnet ihren Alltag sehr genau und hält sich penibel an ihre Struktur. Sie plant am Wochenende, was sie in der kommenden Woche anziehen wird und was sie essen wird. Auch die Abende sind perfekt geplant: feste Essens-, Fernseh- und Schlafenszeiten geben ihr Halt. Kontakt zu anderen Menschen hat sie eigentlich keinen. Edith bleibt gerne alleine, lediglich ihre Mutter trifft sie einmal im Monat. Und auch das ist kein Vergnügen, da Ediths Mutter sie immerzu kritisiert und bemängelt.

Als plötzlich ein zehnjähriges Mädchen Ediths Alltag kräftig durcheinanderwirbelt, muss Edith mehr als einmal ihre Komfortzone verlassen. Das Mädchen trägt Edith seltsame Aufgaben auf, die alle ein gemeinsames Ziel haben:  neue Erfahrungen sammeln und Kontakte zu anderen Menschen aufbauen.

Leseerfahrung & Bewertung

Die Phantasie einer Schildkröte von Judith Pinnow ist ein unterhaltsamer Roman, der unangenehme Themen nicht ausspart. Edith hat sich eingesperrt in ihrer Komfortzone und das hat einen Grund. Sie hat die harte Kritik, die ihre Mutter stets an ihr geübt hat, verinnerlicht. In ihrer engen Struktur ist sie sicher und braucht sich nicht mit anderen Menschen befassen – bis das Mädchen alles durcheinander bringt.

„Sie ist mir zugelaufen wie ein kleiner Hund. Sie bringt mich dazu völlig absurde Dinge zu tun und wider aller Vernunft fühlt sich das richtig an.“ (S. 67)

Die Aufgaben, die das Mädchen Edith erteilt, zeigen ihre Wirkung. Seit langer Zeit beschäftigt sie sich wieder mit ihren Sehnsüchten und Wünschen an das Leben. Die Mauern, die sie errichtet hat, beginnen zu bröckeln. Zwei Schritte vor, ein Schritt zurück. Manchmal geht es schneller, manchmal fühlt sich Edith überfordert und flieht zurück in ihre Komfortzone. Hierdurch wirkt Edith zutiefst menschlich und zugleich sehr sympathisch!

„Mein Leben geht vorbei, und ich habe nichts davon. Gar nichts. Ich mache an einer hüfthohen Mauer halt und stelle den schweren Korb ab. Es kommt mir vor, als würde ich schon mein Leben lang mit einem zu schweren Korb herumlaufen. Mit Erbsen drin, die ich nicht mag.“
(S. 167)

Der Roman könnte schwere und traurige Kost sein, ist er aber nicht, da Judith Pinnow es schafft immer wieder sehr komische Szenen in die Handlung einzubauen, wodurch der Roman sehr leicht wirkt und höchst angenehm zu lesen ist. Zudem regt Ediths Geschichte auch zum Nachdenken an. Was ist die eigene Komfortzone? Wie sehen die eigenen Gewohnheiten aus? Sind sie hilfreich oder sperren sie ein? Welche Alltags-Abenteuer-Aufgaben würde das zehnjährige Mädchen einem selbst auftragen? Wie sähe die eigene Reaktion aus? usw.

„Die Phantasie einer Schildkröte“ ist ein Roman, der mir als Leserin wohlig-warme Gefühle und eine angenehme Gänsehaut beschert hat. Ich empfehle den Roman all denjenigen,  die ein unterhaltsames Buch mit viel Gefühl, etwas Komik, magischen Momenten und sympathischen Charakteren lesen möchten.

P.S.: Es kommen wirklich Schildkröten im Roman vor.

„Die Phantasie einer Schildkröte“ von Judith Pinnow – Fischer Krüger – ISBN 978-3-8105-3035-6 – 19,99 Euro.