Kategorie: Gedankensalat

Die Schreibwerkstatt und Omas Wäscheklammern

Titelbild Omas Wäscheklammern

Gestern habe ich zum ersten Mal an einer Schreibwerksatt teilgenommen. Der Kurs wurde von der VHS veranstaltet und ich hatte keine Idee, was mich genau erwarten würde. Ich habe mich damals für diese Schreibwerkstatt angemeldet, da ich in letzter Zeit primär Listen geschrieben habe und gerne mal wieder etwas anderes schreiben wollte.

Schließlich verbrachte ich den Tag mit vier anderen Frauen und einem Lehrer in kreativer Geschäftigkeit. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde ging es auch gleich los mit der ersten Schreibaufgabe.

Nach jeder Aufgabe stellte jede ihren Text vor. Es ging dabei gar nicht unbedingt um stillistische Dinge, sondern um das Schreiben selbst, darum die eigenen Gedanken in Worte zu fassen und in Textform festhalten. Auch die Feedbackrunden waren angenehm. Wir haben uns primär motiviert und uns in unserer Kreativität gegenseitig bestätigt. Das Schreiben hat mir viel Freude bereitet und ich hoffe, ich werde mein Tagebuch / Journal mit vielen weiteren Texten, Beobachtungen und Gedanken füllen.

Hier eine Auswahl der Methoden, die ich kennengelernt habe:

  • eine bestimmte Wortauswahl in einem Text unterbringen
  • Textanfänge weiter erzählen
  • rund um einen Lieblingssatz, aus einem Roman oder einem anderen Texten, eine neue Geschichte entstehen zu lassen
  • eine Geschichte zu einem Kunstwerk erzählen
  • eine Geschichte zu einem Foto erzählen
  • einen Alltagsgegenstand betrachten, die eigenen Assoziationen beobachten und dann einen Text schreiben
Text, der in der Schreibwerkstatt entstanden ist

Mein Alltagsgegenstand war eine Wäscheklammer und entstanden ist der folgende Text, den ich hier gerne mit euch teilen möchte.

Omas Wäscheklammern

Ein Besuch bei Oma war immer etwas Besonderes, denn bei Oma war alles anders als zu Hause. Mein  Zuhause war ein großes Haus mit Garten, welches von Feldern umringt war. Alle Kinder spielten nachmittags auf Straße und jeder kannte eigentlich jeden.

Bei Oma war das anders! Sie wohnte in einer Hochhaussiedlung. Es gab einen Fahrstuhl, einen Parkplatz mindestens so groß wie ein Maisfeld und einen Spielplatz direkt in der Nachbarschaft.

Oma hatte einen Blumenkasten auf dem Balkon mit ein paar Pflanzen, auf dem Boden des Balkons lag ein grüner Plastikteppich und neben einem Liegestuhl stand ein Wäscheständer. Oma trocknete ihre Wäsche immer draußen.

Das Balkongeländer war aus Beton und verfügte über kleine Sichtschlitze (die eigentlich gar keine waren), doch mit dem Fernrohr konnte man prima heimlich die Nachbarn von gegenüber beobachten.

An einem heißen Sommertage langweilten wir Kinder uns sehr und auch die Nachbarn waren scheinbar alle im Urlaub. Wir steckten Wäscheklammern aneinander und als wir bemerkten, dass die Wäscheklammern durch die Sichtschlitze passten, war die Freude groß. Langsam und unauffällig schoben wir eine Klammer nach der anderen Richtung Geländer. Die Klammern fielen viele Stockwerke abwärts und waren schon nicht mehr zu sehen, als sie mit einem leisen Plöpp unten ankamen.

Zeitbaustelle – Stand im Januar 2017

Titelbild Zeitbaustelle - Stand im Januar 2017

Heute schreibe ich mal wieder über meine Zeitbaustelle und die letzten Entwicklungen. Ich habe nämlich an der einen oder anderen Schraube gedreht.

Zeitgefühl und die Fragmentierung der Zeit

Meine neue Errungenschaft ist ein Social Media freier Tag pro Woche! Ich nutze an diesem Tag zwar das Internet, lasse die sozialen Netzwerke aber außer vor. Twitter beispielsweise spült regelmäßig Neuigkeiten, Nachrichten und andere Dinge in meinen Tagesverlauf. Diese meist sehr kurzen Texte und Artikel führen dazu, dass ich in einer bestimmten Zeitspanne zahlreiche Themen wahrnehme und verarbeite. Durch diesen Vorgang zerfällt die mir zur Verfügung stehende Zeit zu vielen kleinen Fragmenten. Zudem führt es dazu, dass ich vieles nur sehr oberflächlich lese und die Inhalte kaum reflektiere.
Dieser eine Tag wirkt sehr entschleunigend und es gefällt mir sehr. Das Zeitvergehen fühlt sich länger und ausgedehnter an.

Feierabendgestaltung

Wenn ich von der Arbeit nach Hause komme, brauche ich erst Mal einige ruhige Momente.  Meistens möchte ich dann auch nur mit einem Tee und einem Buch auf mein Sofa.

Seit ein paar Woche koche ich mein Mittagessen für die Arbeitstage schon am Wochenende und friere es dann portionsweise ein. So stehe ich am Wochenende zwar länger in der Küche, kann mir jedoch den Luxus eines ruhigen Feierabends gönnen.

Planung & Organisation

Ich dachte, ich würde meinen Alltag recht gut planen und organisieren. Allerdings habe ich oft sehr großzügig geplant und die benötigte Zeit für einzelne Aufgaben definitiv unterschätzt. Trotz vieler erledigter Dinge, blieb ein Gefühl der Unzufriedenheit zurück.

Inzwischen schreibe ich mir auf, was ich an welchem Tag der Woche erledigen möchte. In den Feierabend lege ich mir nur einzelne, nicht zu aufwendige Aufgaben, für die ich nicht meine volle Konzentration benötige. Die habe ich nämlich meistens schon im Büro verbraucht. Ein bisschen Disziplin hilft. Ich sage mir gern, dass ich diese oder jene Aufgabe gerade erledige und dann zu meinem Buch auf mein Sofa gehen kann.

Zusätzlich ergänze ich dieses System durch Sachen, die ich im jeweils kommenden Montag gerne machen möchte. Das sind nicht nur lästige To-Do-Elemente, sondern auch schöne Unternehmungen. 🙂

Sachen sein lassen

Im letzten halben Jahr stellte ich fest, dass ich nicht genügend freie Zeit für meine Hobbies hatte. Es hat mich unzufrieden gemacht, eigentlich Sachen machen zu wollen und sie dann doch nicht zu machen. Und das über längere Zeiträume hinweg.

Die meisten Bücher über Acryl-Malerei habe ich inzwischen weggegeben und die meisten Farben der Tochter einer Kollegin geschenkt. Als ich es nochmal probiert habe, hat mir das Malen keine Freude mehr bereitet. Es fühlte sich gut an diese Dinge loszulassen.

Es fiel sehr viel schwerer die Schwedisch-Lernmaterialien loszulassen. In einem anderen Kontext hätte ich die Sprache weiterhin lernen wollen. Meine bisherige Sprachlernerfahrung hat mir gezeigt, dass ich eine Fremdsprache am besten durch ein Sprachbad lerne, d.h. in dem Land, in dem die Sprache gesprochen wird. Grammatikübungen in einem VHS-Kurs zum Feierabend haben bei mir bisher nicht zum gewünschten Lernerfolg geführt. Jetzt lernen andere Menschen mit meinen Büchern!

Was mir das gebracht hat? Mehr Ruhe im Kopf! Ich denke jetzt nicht mehr so oft, eigentlich wollte ich noch… .

Werte, Interessen und Hobbys

Titelbild zu "Werte, Interessen und Hobbys"

Ich interessiere mich für viele Dinge. Ich bin neugierig. Ich habe Hobbys. Im Grunde habe ich daran nichts auszusetzen! Es ist bloß so, dass manche Interessen und Hobbys seit längerer Zeit pausieren. Die Bücher zu all diesen interessanten Themen oder die Werkzeuge, die zu den Hobbys gehören sind noch da. Sie stehen im Regal oder liegen aufgeräumt im Schrank. Genau das stört mich! Werde ich die Dinge irgendwann nutzen? Bereitet mir das Hobby noch Freude? Behalte ich die Sachen oder nicht?

Nachdenken alleine hat mir hier nicht geholfen, daher habe ich jetzt einen Plan. Ich werde diese Hobbys nochmal ausprobieren und dann entscheiden! Allerdings wird das kein Projekt werden, das ich an einem Wochenende bewältige. Ich werde mir dafür genügend Zeit nehmen. Ein paar Monate oder ein halbes Jahr. Mal sehen!

Schritt 1: eine Grundlage schaffen

Schon seit einer Weile beschäftige ich mich gedanklich mit meinen persönlichen Grundwerten, meiner Alltags- und Lebensausrichtung. Gegenstände habe reduziert und dadurch an Freiraum gewonnen. Es stellt sich mir nun die Fragen: Wie aber möchte ich diesen Freiraum gestalten? Was ist mir wichtig? Was zählt für mich am Ende? Was füllt mich?
Vor ca. einen Monat hat Frau DingDong einen Artikel zum Thema „Werte finden und zufrieden leben: Klarer denken, besser entscheiden“ geschrieben. Dieser Beitrag hat mich unter anderem auf meine jetzige Fährte gebracht. Gleichzeitig ist mir ein Buch aus meinem eigenen Regal wieder in die Hände gefallen – ein Ratgeber für das Leben nach der Uni („Life after College“ von Jenny Blake). Gleich zu Anfang hilft das Buch einem dabei die eigenen Werte zu definieren. Ich habe dieses Kapitel als Werkzeug benutzt und wie auch beim Kochen – mich nicht an die Anleitung bzw. das Rezept gehalten.

So bin ich vorgegangen oder das Finden der Werte
  • Ich habe eine Liste mit Werten genommen und mir alle rausgeschrieben, die im ersten Moment passend klingen. Da mir noch wichtige Aspekte fehlten, habe ich diese noch ergänzt. Insgesamt habe ich 23 Werte gefunden, die mir wichtig waren.
  • Meine Liste habe ich erstmal so stehen lassen und im Kopf mit dieser Liste gespielt. Laut Anleitung hätte ich nun fünf Werte in die engere Wahl aufnehmen sollen. Ich wollte spontan lieber sechs Werte – am Ende standen neun Werte auf meiner Liste.
  • Das waren mehr! Irgendwie hängt vieles mit vielem zusammen, manches lässt sich nur schwer trennen, daher durften diese neun Werte auf der Liste bleuben. Diese neun Werte habe ich ebenfalls ein paar Tage durch meinen Kopf und mein Herz geistern lassen.
  • Schließlich habe ich eine Art Muster erkannt undfünf Bereiche für mich definiert:
    Grundbedingungen
    Innen (ich im Bezug auf mich)

    Außen (ich im Bezug auf andere bzw. anderes)
    Miteinander
    Drumherum und Zwischendrin (hier geht es um Lebensenergie)
  • Diese fünf Bereiche habe ich mit meinen Werten gefüllt. Danach habe ich mir notiert, was ich mit diesen Werten eigentlich meine.
Was mich erstaunt hat

Als ich das Buch „Life after College“ zum ersten Mal las habe ich diesselbe Übung gemacht. Ich erinnere mich daran, dass sie mir sehr schwer fiel und mir nicht unbedingt die gewünschte Klarheit gebracht hat. Im Buch konnte ich auch noch einige meiner damaligen Notizen lesen. Damals habe ich mir andere Werte „ausgesucht und bin zu keinem wirklichen Ergebnis gekommen. Der diesjährige Durchgang fiel mir leichter, es war kaum Kopfzerbrechen nötig und das Ergebnis wirkte klärend. Ich denke, dass mich mein Hang zum Minimalismus und die zahlreichen Achtsamkeitsübungen mich zu einem guten Weg geführt haben! Zudem habe ich mir Zeit genommen, mit meinen Gedanken gespielt, Aspekte auftauchen und abtauchen lassen und ihnen ihre Reifezeit gelassen.

Was haben meine Werte nun mit meinen Interessen und Hobbys zu tun

In den nächsten Monaten werde ich überprüfen oder herausfinden, ob meine brach liegenden Interessen und Hobbys noch zu mir passen. Vielleicht war es ja auch einfach ein Zeitproblem. Das erste Hobby, das ich überprüfen werde, ist das Malen. Hier steht ein Schrank gefüllt mit Farben, Pinseln, Collagematerial und vielem mehr. Hinzukommen einige Bücher zur Inspiration oder mit Anleitungen. Es wird spannend (und bunt).

Damals in der Grafton Street…

Collage aus Fotos

Die Erinnerungen sind flüchtig. Sie kommen und gehen, manchmal überraschen sie mich und ich erinnere jedes Detail. Dann ist sie sie bunt, die Erinnerung. Ich kann sie förmlich riechen und schmecken und bin fast ganz dort, an diesem Punkt in der Vergangenheit.

Als ich vor ungefähr elf Jahren ein paar Monate in Dublin, Irland verbrachte, war ich viel in der Stadt unterwegs und habe nahezu kein Museum ausgelassen. In der letzten Woche überkam mich ganz plötzlich eine meiner liebsten Erinnerungen aus dieser Zeit.

Der Himmel war grau-blau eingefärbt. Das Licht angenehm hell, nicht zu dunkel. Es regnete nicht und es war nicht kalt, aber auch nicht warm. Wie so oft am Wochenende hielt ich mich im Stadtzentrum auf und schlenderte durch die Grafton Street, einer der Haupteinkaufsstraßen Dublins. Doch nicht nur die Geschäfte lockten mich in die Fußgängerzone. Es gab einen Musiker der immer mal wieder „Good Riddance (Time of your Life)“ von Green Day sang. Dieser Moment sorgte jedes Mal für Gänsehaut. Der Musiker sang noch viele andere Lieder, ich erinnere mich jedoch nur an dieses Lied so deutlich. Zwei- oder dreimal hatte ich das Glück zur gleichen Zeit wie er in der Grafton Street zu sein und jedes Mal blieb ich stehen.

Another turning point,
a fork stuck in the road
time grabs you by the wrist,
directs you where to go
so make the best of this test and don’t ask why
it’s not a question, but a lesson learned in time
Beginn von Good Riddance (Time of your Life) von Green Day

Das Abitur gerade in der Tasche, mit gefühlt 1000+ Möglichkeiten vor mir, stand ich ratlos dort und hörte ihm zu. Ohne zu fragen oder denken. Ich hörte einfach zu und vielleicht ist das eine der Gründe weshalb mir gerade diese Erinnerung noch so lebhaft vor Augen steht. Vor elf Jahren grübelte ich viel über die Zukunft nach: Was soll ich werden? Wie soll mein Leben aussehen? Was ist richtig? Was nicht? Wohin soll die Reise gehen?

Die Zeit stand still, ich stand still – denn das Grübeln brachte mich nicht weiter. Zerrte die Zeit auch an meinem Arm? Vielleicht. Erinnerungen verändern sich im Laufe des Lebens; man selbst verändert sich ja auch. Fragen stelle ich mir noch immer. Ich frage mich gern und werfe Fragen auf. Die Antwort ist bei manchen Fragen eher von zweitrangiger Bedeutung, da ist es mir wichtiger, dass die Frage im Raum steht und das Fragezeichen groß und gewichtig im Weg steht. Das mich das Fragezeichen an die Existenz der Frage erinnert. Wegen der Offenheit, wegen der Möglichkeit und dem was dadurch entstehen kann.

Mit der Zeit verblassen die Fragen, lösen sich auf oder die Antworten schleichen sich ins Leben. Heute allerdings würde ich nicht mehr fragen, was ich werden soll. Wie dieses „sollen“ aussieht bestimmen meist andere und nicht man selbst. Es wird einem dann aufgedrückt und dann hat man schön in dieses „soll“ reinzupassen. Ich frage mich sattdessen lieber, was ich denn möchte, was mir wichtig ist und was ich mir unter einem guten oder gelungenem Leben vorstelle.

Manchmal passiert das Leben aber auch so schnell, da bleibt gar keine Zeit zum Fragen stellen, da passiert es einfach. Wenn es wieder ruhiger wird, Zeit ist für die Tasse Tee (nur die Tasse Tee ohne weitere Ablenkung) und die Reflexion beginnt, zeigt sich der Sinn oder auch der Un-Sinn des Lebens. Und weißt du Bescheid (oder auch nicht.)