Gelesen im September 2017

Im September habe ich zwei Bücher bereits ausführlicher besprochen. Einmal meinen LovelyBooks-Leserunden-Gewinn Die Phantasie einer Schildkröte von Judith Pinnow und zum anderen ein Buch über das Loslassen, das digitale Nomadentum und den Reisejournalismus von Katharina Finke.

Franklin’s flying bookshop von Jen Campbell und Katie Harnett
Inhalt:
Franklin ist ein Drache, der Bücher liebt und sehr gerne vorliest. Leider haben die Bewohner_innen des nächstgelgenen Ortes große Angst vor Franklin. Das ändert sich erst als Luna in Franklins Leben tritt, Luna mag Bücher genauso gerne wie Franklin und zusammen entwickeln sie den Plan für Franklins fliegenden Buchhandel.
Bewertung: Ich schaue mir immer mal wieder gerne Bilderbücher an. Bilderbücher geben mir ein angenehmes Gemütlichkeitsgefühl! Und dieses Exemplar hier lässt auch noch mein bibliophiles Herz höherschlagen!

Mord ist nicht das letzte Wort von Alan Bradley (Flavia de Luce, Band 8)
übersetzt von Gerald Jung und Katharina Orgaß
Inhalt: Flavia kehrt zurück zu ihrer Familie, doch statt einer großen Willkommen-Zuhause-Feier erwartet sie eine schlechte Nachricht: ihr Vater liegt mit einer Lungenentzündung im Krankenhaus. Traurig such Flavia bei ihrem Fahrrad Gladys Trost und fährt zur Frau des Pfarrers. Von ihr erhält sie die Aufgabe, den alten Mr. Sambridge zu besuchen und ihm etwas zu bringen. Mr. Sambridge scheint nicht zuhause zu sein, als Flavia das Haus betritt findet sie mal wieder eine Leiche… .
Bewertung: Band 8 der Reihe ähnelt wieder mehr den ersten Flavia-Bänden. Der Roman hat mich zeitweise angenehm unterhalten, aber leider nicht begeistert. Ich denke, den nächsten Flavia-Band werde ich nicht mehr lesen.

Die Spur der Bücher von Kai Meyer
Inhalt:
Die Bibliomantin Mercy Amberdale ist umgeben von Büchern in einem Buchhandel im viktorianischen London aufgewachsen. Nach einem Schicksalsschlag schwört sie der Bibliomantik ab und arbeitet von nun als Privatdetektivin. Ihr Spezialgebiet ist das Aufspüren besonderer Literaturschätze. Doch als ein Buchhändler aus ihrer alten Nachbarschaft ermordet wird, wecken die Todesumstände ihr Interesse. Auf der Suche nach der Wahrheit entdeckt sie ein wirres Netz aus mysteriösen Familiengeheimnissen.
Bewertung: Spannend! Es hat mich sehr vergnügt, wieder in die Welt der Bibliomantik eintauchen zudürfen!

Gezeichnet von Veronica Roth (Rat der Neun, Teil 1)
übersetzt von Petra Koob-Pawis und Michaela Link
Inhalt: Auf dem Planeten Thuve leben die Thuveshi und das Volk der Shotet, obwohl sich die beiden Gruppen einen Planeten miteinander teilen, sind sie verfeindet. Kinder gesegneter Familien erhalten ein Schicksal, ein Schicksal erfüllt sich in jeder Zukunftsvariante. Eines Tages werden Akos und sein Bruder Eijeh vom Volk der Shotet überrascht und entführt. Beide haben ein Schicksal, das für die Herrscherfamilie der Shotet eine wichtige Rolle spielt.
Bewertung: Dieser Roman war anders als erwartet. Ich hatte eine rasante Handlung erwartet, wurde jedoch von einem sanften Spannungsanstieg überrascht. Der Lauf der Geschichte verdichtet sich langsam und wird immer wieder durch Details über die zwischenmenschlichen Beziehungen angereichert. Der Weltenentwurf hat mir sehr gut gefallen: Fantasy im Weltall!

Die Stellung von Meg Wolitzer
übersetzt von Werner Löcher-Lawrence
Inhalt: New York, Mitte der 70er, eine normale sechsköpfige Familie – bis DAS Buch erscheint. Die Eltern der vier minderjährigen Kinder veröffentlichen einen Sexratgeber, der mit zahlreichen Tabus bricht. Alle vier gehen unterschiedlich mit der Situation um. Im Laufe ihres Lebens werden alle immer wieder auf ihre inzwischen geschiedenen Eltern und das Buch angesprochen. Nicht alles ist im Leben der vier so wie sie es sich vorgestellt haben und irgendwie ist es auch alles sehr kompliziert.
Bewertung: Die Interessanten habe ich damals begeistert gelesen. Die Stellung besticht zwar ebenfalls durch seine Sprache und die Art und Weise, wie die einzelenen Handlungsstänge miteinander verwoben sind und doch konnte mich dieser Roman leider nicht gleichermaßen begeistern.

[Gelesen] Loslassen von Katharina Finke

Titelbild Gelesen Loslassen von Katharina Finke

Hand aufs Herz! Wer träumt nicht gelegentlich davon sich gänzlich von seinen Besitztümern zu trennen, den eigenen Besitz auf einen Koffer zu beschränken und die Welt zu entdecken? Zugegeben, ich träume immer mal wieder davon und gleichzeitig ist mir klar, dass meine Vorstellung von diesem Leben eine sehr romantische ist. Von der Nähe zur Realität ganz zu schweigen! Als ich mal wieder träumend in einer Buchhandlung stöberte, entdeckte ich das Buch „Loslassen: Wie ich die Welt entdeckte und verzichten lernte“ von Katharina Finke und kaufte es.

Inhalt

Katharina Finke ist schon eine Weile in der Welt unterwegs, sie lebt aus ihrem Koffer und doch ist da noch die Wohnung, in der sie lange mit ihrem Freund zusammen gewohnt hat. Als das Paar sich  trennt sich und entschließen sie sich dazu, die Wohnung aufzulösen. Katharina verkauft und verschenkt fast ihren ganzen Besitz. Lediglich einen Karton mit Erinnerungsstücken schickt sie zu ihren Eltern. Sie ist unabhängig und macht sich mit einem Koffer, der all ihren Besitz umfasst, auf den Weg, die Welt zu entdecken.

„Zu wissen, dass ich jeden Moment meine Siebensachen packen und weiterziehen konnte, hatte mir ein Gefühl von Freiheit gegeben,  bei dem mir nichts fehlte.“ (S.  14)

Das Buch setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Der erste Teil beschäftigt sich mit ihrem Leben, der zu diesem Schritt führte. Der zweite Teil beschäftigt sich mit dem, was nach diesem Schritt folgte. Die Autorin lebt nicht von Luft und Liebe, sondern muss auch unterwegs Geld verdienen. Sie arbeitet als freie Journalistin und verkauft ihre Geschichten / Reportagen an große deutsche Verlage und TV-Sender. Acht-Stunden-Tage sind da eine Seltenheit. Sie pendelt zwischen dem Wunsch nach Freiheit und der Sorge, keinen nächsten Auftrag zu erhalten. Gleichzeitig schildert sie langsamere Zeiten, in denen es sehr viel entspannter zuging.

„Loslassen“ zeigt beide Seiten des ortunabhängigen Lebensstils: die guten und die schlechten Tage. Bei all dem Reisen und Unterwegssein wird zudem deutlich, dass Katharina Finke nicht nur die Welt entdecken möchte, sondern auch auf der Suche nach sich selbst und ihrer eigenen Identität ist.

„Mir war zwar klar, dass mein zielloses Durch-die-Welt-Jetten nicht gut für die Umwelt war, aber dieses Bewusstsein wurde überlagert von der Flucht vor mir Selbst. Ich war nicht im Reinen mit mir und suchte die Lösung dafür in neuen Reisezielen.“ (S. 114)

Leseerfahrung und Bewertung

„Loslassen: Wie ich die Welt entdeckte und verzichten lernte“ von Katharina Finke liest sich schnell und leicht. Ihre Sprache ist klar und ohne Schnörkel, an manchen Stellen hätte ich mir weitläufigere Reisebeschreibungen oder eine tiefere Reflexion gewünscht. Als Leser_in sollte man keinen Ratgeber erwarten, der einem erklärt, wie man nun all seine Sachen los wird und ortsunabhängig arbeitet.  Katharina Finke beschreibt ihren eigenen, persönlichen Weg und die Erfahrungen, die sie auf diesem Weg gemacht hat. Ganz sicher aber können viele Leser_innen wertolle Impulse aus der Lektüre mit in ihr eigenes Leben nehmen. So erging es zu mindestens mir, denn eine Fragestellung ist mir besonders hängen geblieben: „An was willst du festhalten?“

Ich empfehle das Buch all denen, die gerne biografische Berichte oder Reiseerzählungen lesen und offen für die Idee eines minimalistischen Lebensstil sind.

„Loslassen: Wie ich die Welt entdeckte und verzichten lernte“ von Katharina Finke – MALIK – ISBN 978-3-890-29481-0 – 15,00 Euro.

[Gelesen] Die Phantasie einer Schildkröte von Judith Pinnow

Titelbild [Gelesen] Die Phantasie einer Schildkröte von Judith Pinnow

Der Roman „Die Phantasie einer Schildkröte“ von Judith Pinnow ist mir zu allererst durch das Cover aufgefallen. Das Cover in Kombination mit dem Titel erinnerte mich an die Schildkröte Kassiopeia aus Michael Endes Kinderbuch „Momo“. Meine Neugier war geweckt. Gleichzeitig entdeckte ich eine Leserunde mit Buchverlosung bei LovelyBooks, ich nahm an der Verlosung teil und gewann tatsächlich ein Exemplar.

Inhalt

Edith, 45 Jahre, ist Single und lebt sehr zurückgezogen. Sie ordnet ihren Alltag sehr genau und hält sich penibel an ihre Struktur. Sie plant am Wochenende, was sie in der kommenden Woche anziehen wird und was sie essen wird. Auch die Abende sind perfekt geplant: feste Essens-, Fernseh- und Schlafenszeiten geben ihr Halt. Kontakt zu anderen Menschen hat sie eigentlich keinen. Edith bleibt gerne alleine, lediglich ihre Mutter trifft sie einmal im Monat. Und auch das ist kein Vergnügen, da Ediths Mutter sie immerzu kritisiert und bemängelt.

Als plötzlich ein zehnjähriges Mädchen Ediths Alltag kräftig durcheinanderwirbelt, muss Edith mehr als einmal ihre Komfortzone verlassen. Das Mädchen trägt Edith seltsame Aufgaben auf, die alle ein gemeinsames Ziel haben:  neue Erfahrungen sammeln und Kontakte zu anderen Menschen aufbauen.

Leseerfahrung & Bewertung

Die Phantasie einer Schildkröte von Judith Pinnow ist ein unterhaltsamer Roman, der unangenehme Themen nicht ausspart. Edith hat sich eingesperrt in ihrer Komfortzone und das hat einen Grund. Sie hat die harte Kritik, die ihre Mutter stets an ihr geübt hat, verinnerlicht. In ihrer engen Struktur ist sie sicher und braucht sich nicht mit anderen Menschen befassen – bis das Mädchen alles durcheinander bringt.

„Sie ist mir zugelaufen wie ein kleiner Hund. Sie bringt mich dazu völlig absurde Dinge zu tun und wider aller Vernunft fühlt sich das richtig an.“ (S. 67)

Die Aufgaben, die das Mädchen Edith erteilt, zeigen ihre Wirkung. Seit langer Zeit beschäftigt sie sich wieder mit ihren Sehnsüchten und Wünschen an das Leben. Die Mauern, die sie errichtet hat, beginnen zu bröckeln. Zwei Schritte vor, ein Schritt zurück. Manchmal geht es schneller, manchmal fühlt sich Edith überfordert und flieht zurück in ihre Komfortzone. Hierdurch wirkt Edith zutiefst menschlich und zugleich sehr sympathisch!

„Mein Leben geht vorbei, und ich habe nichts davon. Gar nichts. Ich mache an einer hüfthohen Mauer halt und stelle den schweren Korb ab. Es kommt mir vor, als würde ich schon mein Leben lang mit einem zu schweren Korb herumlaufen. Mit Erbsen drin, die ich nicht mag.“
(S. 167)

Der Roman könnte schwere und traurige Kost sein, ist er aber nicht, da Judith Pinnow es schafft immer wieder sehr komische Szenen in die Handlung einzubauen, wodurch der Roman sehr leicht wirkt und höchst angenehm zu lesen ist. Zudem regt Ediths Geschichte auch zum Nachdenken an. Was ist die eigene Komfortzone? Wie sehen die eigenen Gewohnheiten aus? Sind sie hilfreich oder sperren sie ein? Welche Alltags-Abenteuer-Aufgaben würde das zehnjährige Mädchen einem selbst auftragen? Wie sähe die eigene Reaktion aus? usw.

„Die Phantasie einer Schildkröte“ ist ein Roman, der mir als Leserin wohlig-warme Gefühle und eine angenehme Gänsehaut beschert hat. Ich empfehle den Roman all denjenigen,  die ein unterhaltsames Buch mit viel Gefühl, etwas Komik, magischen Momenten und sympathischen Charakteren lesen möchten.

P.S.: Es kommen wirklich Schildkröten im Roman vor.

„Die Phantasie einer Schildkröte“ von Judith Pinnow – Fischer Krüger – ISBN 978-3-8105-3035-6 – 19,99 Euro.