Warum mir Stille wichtig ist

Titelbild "Warum mir Stille wichtig ist"

Früher war es in meinem Alltag eigentlich nie still. Bei mir lief immer das Radio, Musik oder irgendeine Mediathek-Sendung. Ohne Hintergrundbeschallung konnte ich mich nur schwer dazu aufraffen irgendetwas zu tun. Ich frage mich auch heute noch wie ich denn beim Lesen Musik hören konnte.

Heute ist das anders. Inzwischen höre ich nur noch selten Musik und das Radio sowie der PC bleiben aus. Phasen der Stille bzw. Phasen ohne weitere Hintergrundgeräusche sind mir mit der Zeit immer wichtiger geworden.

Was mir Stille gibt

Diese Zeiten geben mir Gelegenheit hinzuhören. Ich höre meine eigenen Gedanken besser und konzentriere mich leichter. Da das allgemeine Hintergrund „blablabla“ wegfällt, bin ich weniger abgelenkt und verliere mich nicht so schnell in diesem Rauschen.

Zudem höre ich gerne der Welt um mich herum zu: dem Gesang der Vögel, dem Summen und Brummen der Bienen und Hummel oder dem Wind, der mit dem Laub der Bäume spielt. Zudem bemerke ich Änderungen in der Lautstärke um mich herum eher; kehrt plötzlich Stille ein, genieße ich diese Verschnaufpause sehr.

Früher habe ich Musik gebraucht. Als Ablenkung vom Alltag, als Container für meine Gefühle und Gedanken und als Antrieb. Heute höre ich nur noch selten Musik. Musik transportiert Emotionen und farbenfrohe Bilder, die mich oft mitreißen oder mich (zu sehr) erfüllen. Im Alltag ist mir das oft zu viel. Ich spare mir Musik dann lieber auf…für Zeiten, in denen ich genau das will.

Zeiten der Stille im Alltag

Den Alltag erwähnte ich ja bereits. Manchmal gibt es viel zu tun, ich muss an viele Details, wichtige und nicht so wichtige Dinge denken und noch dafür sorgen, dass ich noch genügend Lebensmittel für die nächsten Tage im Kühlschrank habe. Das kann ganz schön stressig werden. Daher versuche ich mir Räume oder Phasen der Stille zu schaffen und habe daher einige Regeln für meinen Alltag eingeführt:

  • Meditieren. Ich meditiere jeden Morgen 10 bis 15 Minuten. Sollte ich doch zu lange im warmen und gemütlichen Bett gelegen haben, passiert es mir, dass ich nur noch zwei bis drei Minuten zur Verfügung habe. In dieser Zeit konzentiere ich meine Sinne auf einen Punkt, werde präsent und kann von diesem Punkt aus den Alltag bestreiten und auch wieder dorthin zurückgehen. Für mich bedeutet das auch viel weniger Drama im Alltag.
  • Radio und Fernseher / Mediathek ausschalten. Ich verzichte auf Hintergrundbeschallung dieser Geräte. Ich wähle lieber gezielt Sendungen oder Podcasts aus, die ich hören möchte.
  • Mobile Daten, W-Lan und Push-Benachrichtungen ausschalten. Meine mobile Daten und das W-Lan sind nur angeschaltet, wenn ich diese gerade brauche. Die meisten Push-Benachrichtungen habe ich ausgeschaltet. Ich möchte selbst entscheiden, wann ich ins Internet oder die sozialen Medien eintauchen möchte. Zudem gefällt es mir besser nicht von zahlreichen Meldungen überschwemmt zu werden, wenn ich die mobilen Daten oder das W-Lan anschalte. Eins nach dem Anderen, eine App nach der Anderen. SMS und Anrufe kommen trotzdem bei mir an.
  • Freizeit bedeutet für mich auch freie Zeit. Unverplante Zeit ist mir viel Wert. Es hilft mir Freizeitstress entgegen zu wirken. Wer entscheidet eigentlich, dass ich meine Freizeit mit derselben Effizienz und Effektivität wie mein Berufsleben gestalten soll? Genau, diese Entscheidung treffe ich! Öfter als mir lieb ist, brauche ich dafür allerdings eine Erinnerung!
  • Eins nach dem Anderen erledigen. Multi-Tasking fühlt sich für einige Zeit gut an, erschöpft mich jedoch stärker als eine Sache nach der Anderen zu erledigen. Trotzdem höre ich beim Putzen gerne den ein oder anderen Podcast. Oder ich lasse meine Gedanken dabei schweifen. Beim Putzen und Aufräumen räumt sich mein Kopf meist automatisch mit auf.
  • Gedanken aufschreiben. Ich schreibe meine Gedanken auf, mache mir Notizen oder schreibe Tagebuch, um meine Gedanken zu ordnen. Aufschreiben hilft mir auch herauszufinden, was ich wirklich denke und das wiederum schafft Ruhe im Kopf. Kenne ich meine innere Wetterlage, finde ich leichter heraus, was ich momentan brauche und was mir gut tut.

Ich muss hier anmerken, dass ich alleine wohne. Wer zusammen mit anderen Personen in einem Haushalt lebt, benötigt vielleicht Regeln, die sich auch auf das soziale Miteinander beziehen. Vielleicht braucht es dann Handy-freie-Zeiten, z.B. beim Abendessen.

Und du?

Wie gehst du mit Stille um? Wieviel Stille brauchst du? Wie schaffst du dir Räume der Stille?

Damals in der Grafton Street…

Collage aus Fotos

Die Erinnerungen sind flüchtig. Sie kommen und gehen, manchmal überraschen sie mich und ich erinnere jedes Detail. Dann ist sie sie bunt, die Erinnerung. Ich kann sie förmlich riechen und schmecken und bin fast ganz dort, an diesem Punkt in der Vergangenheit.

Als ich vor ungefähr elf Jahren ein paar Monate in Dublin, Irland verbrachte, war ich viel in der Stadt unterwegs und habe nahezu kein Museum ausgelassen. In der letzten Woche überkam mich ganz plötzlich eine meiner liebsten Erinnerungen aus dieser Zeit.

Der Himmel war grau-blau eingefärbt. Das Licht angenehm hell, nicht zu dunkel. Es regnete nicht und es war nicht kalt, aber auch nicht warm. Wie so oft am Wochenende hielt ich mich im Stadtzentrum auf und schlenderte durch die Grafton Street, einer der Haupteinkaufsstraßen Dublins. Doch nicht nur die Geschäfte lockten mich in die Fußgängerzone. Es gab einen Musiker der immer mal wieder „Good Riddance (Time of your Life)“ von Green Day sang. Dieser Moment sorgte jedes Mal für Gänsehaut. Der Musiker sang noch viele andere Lieder, ich erinnere mich jedoch nur an dieses Lied so deutlich. Zwei- oder dreimal hatte ich das Glück zur gleichen Zeit wie er in der Grafton Street zu sein und jedes Mal blieb ich stehen.

Another turning point,
a fork stuck in the road
time grabs you by the wrist,
directs you where to go
so make the best of this test and don’t ask why
it’s not a question, but a lesson learned in time
Beginn von Good Riddance (Time of your Life) von Green Day

Das Abitur gerade in der Tasche, mit gefühlt 1000+ Möglichkeiten vor mir, stand ich ratlos dort und hörte ihm zu. Ohne zu fragen oder denken. Ich hörte einfach zu und vielleicht ist das eine der Gründe weshalb mir gerade diese Erinnerung noch so lebhaft vor Augen steht. Vor elf Jahren grübelte ich viel über die Zukunft nach: Was soll ich werden? Wie soll mein Leben aussehen? Was ist richtig? Was nicht? Wohin soll die Reise gehen?

Die Zeit stand still, ich stand still – denn das Grübeln brachte mich nicht weiter. Zerrte die Zeit auch an meinem Arm? Vielleicht. Erinnerungen verändern sich im Laufe des Lebens; man selbst verändert sich ja auch. Fragen stelle ich mir noch immer. Ich frage mich gern und werfe Fragen auf. Die Antwort ist bei manchen Fragen eher von zweitrangiger Bedeutung, da ist es mir wichtiger, dass die Frage im Raum steht und das Fragezeichen groß und gewichtig im Weg steht. Das mich das Fragezeichen an die Existenz der Frage erinnert. Wegen der Offenheit, wegen der Möglichkeit und dem was dadurch entstehen kann.

Mit der Zeit verblassen die Fragen, lösen sich auf oder die Antworten schleichen sich ins Leben. Heute allerdings würde ich nicht mehr fragen, was ich werden soll. Wie dieses „sollen“ aussieht bestimmen meist andere und nicht man selbst. Es wird einem dann aufgedrückt und dann hat man schön in dieses „soll“ reinzupassen. Ich frage mich sattdessen lieber, was ich denn möchte, was mir wichtig ist und was ich mir unter einem guten oder gelungenem Leben vorstelle.

Manchmal passiert das Leben aber auch so schnell, da bleibt gar keine Zeit zum Fragen stellen, da passiert es einfach. Wenn es wieder ruhiger wird, Zeit ist für die Tasse Tee (nur die Tasse Tee ohne weitere Ablenkung) und die Reflexion beginnt, zeigt sich der Sinn oder auch der Un-Sinn des Lebens. Und weißt du Bescheid (oder auch nicht.)

Rückblick Mai 2016

Bild Collage mit Maibildern

Im Mai hatte ich zwei Wochen Urlaub und genau in diesen zwei Wochen zeigte sich der Frühling von seiner besten Seite! In dieser Zeit habe ich einen Herzensmenschen in London besucht, Besuch aus Schweden gehabt und mich im Balkongärtnern ausprobiert. Die Spinat wächst und ist schon drei bis vier Zentimeter groß! Auch die Zitronenmelisse hat ganz langsam ihr zartes grün aus der Erde gestreckt. Ich bin weiter gespannt, da ich noch gar keine Erfahrung mit Balkonbepflanzung habe. Zusätzlich habe ich auch noch Lavendel und Rosmarin angepflanzt.

Zudem habe ich einen neuen Kühlschrank gekauft. Jetzt kann ich auch zuverlässig Dinge einfrieren und davon ausgehen, dass sie gefroren bleiben. Bei der Gelegenheit habe ich den alten Kühlschrankeinbauschrank gleicht mitabgebaut (bzw. abbauen lassen). Der Schrank war ziemlich groß und es stand im Grunde auch nicht viel drin. Die Küche wirkt jetzt heller, da der neue Kühlschrank niedriger ist und mich freut das.

In Mai habe ich mir meinen Bücherei SuB (Stapel ungelesener Bücher) vorgenommen und schon einige Titel zurück in die Bücherei gebracht. Allerdings ist mein Bücherei-Regal auch schon wieder gut gefüllt!

Gelesen im Mai 2016
  • Blutbuch von Kai Meyer
    Das „Blutbuch“ ist der finale Band der „Seiten der Welt“-Trilogie von Kai Meyer. Wer Band eins und zwei verschlungen hat, kommt um den dritten Band wohl nicht herum. Allerding gefielen mir die ersten beiden Bände eindeutig besser. Die Trilogie kommt meiner Meinung nach dennoch zu einem ‚guten‘ Abschluss, obwohl es für mich nicht das größte Lesevergnügen war.
  • Ziemlich nah am Glück von Saira Shah
    Anna und ihr Mann Tobias freuen sich auf ihr erstes Kind. Anna malt sich die Zukunft ihrer kleinen Familie detailliert und in den schillernsten Farben aus. Nach der Geburt des Babys plant die Familie nach Südfrankreich auszuwandern. Die Geburt jedoch verläuft anders als geplant; ein Notkaiserschnitt muss durchgeführt werden. Das Baby ist schwerbehindert. Können / wollen Anna und Tobias ihr Baby trotzdem lieben und können sie überhaupt in ausreichender Weise für das Baby sorgen? Anna und Tobias suchen nach Antworten auf diese Frage und bewältigen die Situation beide auf ihre eigene (zerstörerische) Art.
    Insgesamt ein dramatischer, ergreifender und berührender Roman. Hervorragendes Kopfkino!
  • The Marble Collector von Cecelia Ahern
    Sabrina Boggs‘ Vater Fergus erlitt einen Schlaganfall und leidet seitdem an einer Teilamnesie. Sabrina möchte ihrem Vater helfen sich zu erinnern. Gleichzeitig aber kümmert sie sich auch um ihre drei Söhne, führt einen Haushalt und ist erwerbstätig. Eines Tages gibt jemand Pakete voller Murmeln für Fergus im Altenheim ab. Ihr Vater ein Murmelspieler und -sammler? Kann das sein?
    Der Beginn des Romans ist sehr zäh. Doch dann pakte mich die Neugier und ich wollte mehr über Fergus‘ Leben erfahren. Wer war er wirklich? Ingesamt: herzerwärmend!
  • Herzenstimmen von Jan-Philipp Sendker
    „Herzenstimmen“ ist der Nachfolgeband von „Das Herzenhören“ . Letzteres hat mich begeistert – mit ähnlicher Erwartung habe ich dann „Herzenstimmen“ gelesen. Ich wurde nicht unbedingt enttäuscht, aber dieselbe Begeisterung stellte sich leider nicht ein. Nun aber zum Inhalt:
    Vor zehn Jahren hat Julia zuletzt ihren Bruder in Burma besucht. Anfangs schrieben sich die beiden noch regelmäßig, doch dann konzentriert sich Julia verstärkt auf andere Dinge in ihrem Leben. Ihre Priorität Nr. 1 ist ihr Beruf.
    Irgendwann meldet sich eine mysteriöse Stimme in ihrem Inneren. Wo hat diese Stimme ihren Ursprung? In ihr selbst oder wird sie nun wahnsinnig? Der Besuch eines Psychiaters hilft nicht nicht. Beim Besuch eines buddhistischen Klosters trifft sie auf einen Mönch, der sie auf die richtige Spur bringt. Und so tritt Julia schließlich die längstüberfällige Reise nach Burma an!
    Ein schöner Roman über Liebe, Mut, Vertrauen und das Wagnis, sich selbst zu überraschen.
  • Sturz in die Zeit von Julie Cross
    Ein Zeitreise-Jugendroman – mal wieder. Jackson dachte, er wäre in ganz gewöhnlicher Jugendlicher, doch dann entdeckt er, dass er durch die Zeit reisen kann. Denkend er wäre der einzige Mensch mit dieser Gabe, probiert er das Zeitreisen aus. Doch es gibt noch mehr Menschen mit dieser Gabe und die sind ihm nicht alle wohl gesonnen.
    Ein im grunde spannender Roman, aber auch etwas verwirrend!
  • Eine Nacht und alles von Katrin Seddig
    Irenes Alltag gestaltet sich folgendermaßen: Arbeit, Freizeit, Freunde, Familie, Ehe. Doch dann schläft sie mit einem unbekannten Mann. Sie verliebt sich, obwohl sie noch nicht mal seinen Namen kennt. Sie schmachtet nach ihm, seine Telefonnummer hat sie nicht. Als er sich plötzlich doch bei ihr meldet, beginnen sie eine hitzige Affäre. Irene ist verwirrt und sucht nach dem Ort, an dem sie sich beheimatet fühlt.
    Ein Roman mit vielen schönen langen Sätzen! Katrin Seddig beleuchtet all die Zwischenräume des Gewöhnlichen und macht so vieles sichtbar, was sonst vielleicht ungesehen bleiben würde.

Momente bewahren mit Fotobüchern

05_foto_buecher

Früher als ich noch analog fotografierte, habe ich die Fotos entweder in Einsteckalben einsortiert oder in große Fotoalben eingeklebt und jede Seite einzeln gestaltet. Als ich immer öfter digital fotografierte, beobachtete ich zwei Phänomene:
Entweder ich ließ hunderte Fotos ausdrucken, da ich mich aufgrund der Menge nicht entscheiden konnte. Oder ich ließ es einfach ganz blieben und die Dateien fristeten ein trauriges Dasein auf der Festplatte. Angeschaut habe ich beides selten nie.

Früher hatte ein Film 12, 24 oder 36 Fotos. War die Filmrolle voll, konnten keine Fotos mehr geschossen werden. Auf meine Speicherkarten heute passen viel mehr Fotos! Das ist gut, wenn ich mein fotografisches Auge trainiere oder versuche manuell mit meiner DSLR fotografiere. Es hilft mir dabei mehr über Fotografie zu lernen, es trägt aber auch dazu bei, dass ich viele Fotos habe.
Nun ist es selten so, dass ich mich vor den PC setze und mir Fotos anschaue. Fotoalben mit eingeklebten Fotos habe ich jahrelang nicht mehr gestaltet, stattdessen habe ich Fotobücher für mich entdeckt. Hier kann jede_r ein Fotobuch / -album am Computer mit einer Software gestalten und erhält das Album dann per Post oder holt es im Laden ab. Für mich eine prima Sache!

Vor dem Gestalten kommt jedochas (Aus-)Sortieren der Dateien. Ich sortiere nach Jahren, Monaten und besonderen Ereignissen (z.B.: Urlaub in Schweden). Zudem lösche ich rigoros verwackelte, unscharfe und mir nicht gefallende Fotos. Normalerweise fällt dieses Sortieren mit meiner monatlichen Datensicherung zusammen.

Ich gestalte seit dem Jahr 2010 jedes Jahr ein Fotobuch. Bis zum Jahr 2014 passte jedes Jahr in ein Buch. Mein letztes Fotobuch umfasst die Monate 11/2014 bis 11/2015. Ist so, stört mich nicht. Mein „Project 365“ aus dem Jahr 2010 hat ein eigenes Fotobuch bekommen – in diesem Jahr habe ich jeden Tag ein Foto gemacht und anschließend auf flickr gepostet (das Projekt ist inzwischen nicht mehr online). Fotobücher für besondere Anlässe schließe ich auch für die Zukunft nicht aus.

Die nächsten Schritte
  1. Ich lege einen Ordner für das Fotobuch an. Jeder Monat erhält einen eigenen Unterordner.
  2. Ich suche die Fotos aus, die ich verwenden möchte.
  3. Ich gestalte den jeweiligen Monat mit der Fotobuchsoftware des Anbieters meiner Wahl. Gerne gruppiere ich ähnliche Fotos zusammen. Tassen, Bücher, Himmel, Menschen. Viele Fotos, die ich auch  typischerweise auf Instagram poste… .
  4. Manchmal ergänze ich noch Zitate, Clipart oder Bordüren.
  5. Manchmal ergänze ich auch Ortsangaben.
  6. Ich speichere die Datei regelmäßig. (Einmal habe ich es nicht gemacht und dann waren plötzlich drei Monate weg. Ärgerlich!)
Und danach
  1. Beim Fotoanbieter des Vertrauens hochladen & bestellen.
  2. Auf den_die Briefträger_in warten.
  3. Auspacken und sich freuen.
  4. Hin und wieder mal wieder anschauen.
Ganz wichtig bei der Gestaltung

Es soll mir gefallen! Es sind schließlich meine Erinnerungsmomente, die ich mit dieser Methode bewahren möchte.

Wie machst du das? Klebst du Fotos in Alben, gestaltest du Fotobücher oder schaust du dir die Fotos lieber auf dem Tablet, PC oder Smartphone an?

Einmal London

Looking Down mit lila Koffer

Anfang Mai machte ich mich auf den Weg zum Flughafen um einen guten Freund von mir in London zu besuchen. Fünf Jahre sind seit meinem letzten Flug vergangen und vier Jahre seit dem letzten Treffen. Aus diesen Gründen war ich mächtig nervös und zudem viel zu früh am Flughafen. Aber lieber zu früh, dachte ich mir, als aufgrund von Zugverspätungen den Flug verpassen. Dafür hatte ich dann ausreichend Zeit, um die ankommenden und abfliegenden Flugzeuge zu beobachten.

Flughafenfeld Dortmund

Blick aus dem Flugzeugfenster

London Towerbridge

Das Wetter in London war meist sonnig, der Wind jedoch kühl. Trotzdem waren wir viel draußen und sind viel spazieren gegangen. Natürlich besuchten noch viele andere Tourist_innen die Stadt – teilweise war es mir eindeutig zu voll und zu überlaufen. Mehr als einmal wäre ich fast über plötzlich fotografierende Menschen gefallen. Zudem sind mir die Unmengen von Selfie-Sticks aufgefallen. Ich fotografiere auch von Herzen gerne, stecke meine Kamera zwischendurch jedoch immer mal wieder in die Tasche, um nur mit meinen Augen zu sehen.

Himmel und Laternen

Fotografiere ich, konzentriere ich meinen Blick auf zahlreiche Details: Schatten, Kontraste, den Vordergrund, Hintergrund oder das Spiel des Lichts. Zudem brauche ich eine gewisse Ruhe um Fotos zu machen. Mitten in einer Menschenmenge stehen zu bleiben, mich auf Kamera und Bild zu konzentrieren funktioniert für mich meistens nicht sehr gut. Oft führt das dazu, dass ich in Parks fotografiere und lieber zügig an den touristischen Höhepunkten vorbeiziehe oder sie dann fotografiere, wenn weniger Menschen da sind (zum Beispiel im Regen ein Schnappschuss mit dem Smartphone unterm Regenschirm).

London Eye

Wiese

Ich habe viel gesehen und weniger fotografiert. Ich weiß, ich habe viel gesehen und muss mir das nicht mit 1000 Urlaubsfotos beweisen. Fotos unterstützen die Erinnerung. Aber an was sollte ich mich erinnern wenn ich die ganze Zeit durch den Sucher oder auf mein Smartphone-Display geschaut hätte?

Vielleicht hast du den folgenden Satz schon mal gehört: „Was nicht auf Facebook gepostet wurde, ist nicht passiert.“ Ich habe auch das ein oder andere Mal ein Foto als Postkartenersatz auf Instagram gepostet. Das hat mir durchaus auch Freude bereitet. Nächstes Mal schreibe ich vielleicht doch wieder lieber Postkarten und teile die Fotos im Nachhinein.

Andere Perspektive

Eichhörnchen

Vielleicht wäre mir dieses Thematik gar nicht aufgeffallen, würde der besagte Freunde nicht in London sondern in irgendeiner anderen englischen Stadt wohnen. Während wir London erkundeten führten wir lange Gespräche über Themen, die uns bewegen und erzählten uns, wie es uns in den letzten vier Jahren ergangen ist. Das tat gut, war lange überfällig und wichtiger als jedes Londonfoto.

Daunt Books

Zudem kann ich neben den visuellen Fotos auch noch auf meine mentalen Fotos „zurückgreifen“. Erlebe ich Momente an die ich mich später im Leben erinnern möchte, versuche ich ein mentales Fotos zu machen. Ich versuche dann das Licht, die Stimmung und die Atmossphäre wahrzunehmen und mir des Moments bewusst zu werden. Diese mentalen Fotos kann ich mir nicht im herkömmlichen Sinn ansehen, aber ich kann (mir) davon erzählen, die Momente beschreiben, sie vor meinem inneren Auge aufsteigen lassen und noch lange davon zehren.