[Gelesen] Lyrebird von Cecelia Ahern

Titelbild Gelesen Lyrebird Cecelia Ahern

Erscheint ein neuer Roman der irischen Autorin Cecelia Ahern, bin ich jedes Mal wieder neugierig auf das Buch, obwohl mir in der Vergangenheit nicht alle ihre Werke gut gefallen haben. Ende letzten Jahres erschien ihr neuer Roman „Lyrebird“, der mich wieder zurück nach Irland geführt hat. Nach dem Abitur war ich für ca. 6 Monate in Dublin als Au-Pair und greife daher immer wieder gerne zu Romanen, die in dieser Gegend spielen.

Inhalt

Im Süd-Westen Irlands, nahe der Stadt Cork, lebt die junge Frau Laura zurückgezogen und verborgen vor der Welt in einem Wald. Laura lebt dort nahezu autark: sie versorgt sich mit dem, was der Wald ihr gibt. Einmal in der Woche bekommt sie Besuch von Tom Toolin. Er besitzt das Stück Land auf dem Laura lebt, versorgt sie mit weiteren Lebensmitteln und auch mit Büchern.

Bo, Salomon und Rachel haben die Zwillingsbrüder Tom und Joe Toolin ein Jahr lang begleitet und in dieser Zeit eine Dokumentation über das Leben der beiden gedreht. Als Tom überraschend stirbt, kehren die drei zurück zur Toolin Farn, um Joe ihre Anteilnahme auszusprechen.

Auf Laura sind sie während der gesamten Drehzeit nicht gestoßen. Als sie Laura schließlich entdecken, verändert die Begegnung Lauras Leben Schlag auf Schlag.  Bo wittert in Lauras Geschichte Material für eine neue Dokumentation, die Arbeiten beginnen sofort. Schließlich begleitet Laura das Team nach Dublin.

Lauras einzigartiges Talent Geräusche jeglicher Art nachzuahmen spielt dabei eine zentrale Rolle.

Bewertung

Der Titel des Romans „Lyrebird“ bezieht sich auf dieses Talent. Die in Australien heimischen Leierschwänze sind ebenfalls in der Lage viele Geräusche zu imitieren, wie bspw. der Gesang anderer Vögel, den Klang verschiedener Instrumente oder auch ganz andere Tiere wie bspw. Hunde.

Der Roman zeichnet durch seine Kontraste aus. Da gibt es Laura in der Natur und Laura in der Großstadt.  Auf der einen Seite erleben wir sie als naturverbunden, mit sich und Welt im Einklang lebend, verwurzelt und zufrieden. Doch umso mehr Lärm in ihr Leben dringt, desto stärker verändert sie sich. Sie wirkt entwurzelt und verunsichert. Sie ist in einer neuen, lauten Welt gestrandet und wird mit jedem Tag unzufriedenerer.  Spannungen und Konflikte sind so vorprogrammiert. Weitere Themen sind Liebe, Ruhm und Freiheit.

Trotz einiger Längen, ist „Lyrebird“ angenehm zu lesen und recht unterhaltsam. Die allwissende Erzählperspektive verleiht der Geschichte Tiefe. Die Leser_innen erhfahren daurch sehr viel über das innere Erlebens der verschiedenen Charaktere. Zudem nährt das Leseerlebnis die Sehnsucht nach Stille und Naturgeräuschen.

Auf Deutsch wird der Roman unter dem Titel „So klingt dein Herz“ im August 2017 bei Fischer Krüger erscheinen.

„Lyrebird“ von Cecelia Ahern – Harper Collins – ISBN 978-0-00-750187-8 – ca. 15,00.

Ruhe im Kopf – Was mir aus der „Grübelfalle“ hilft

Titelbild Ruhe im Kopf - Was mir aus der "Grübelfalle" hilft

Kennst du die „Grübelfalle“? Mir passiert es immer mal wieder, dass ich in die „Grübelfalle“ falle. Meine Gedanken drehen sich im Kreis und sind tendenziell eher negativ eingefärbt. Umso länger ich diesem Gedankenstrom folge, desto schlechter wird meine Laune. In der „Grübelfall“ gibt es kein vor und kein zurück. Es gibt nur das Wiederkäuen der immer selben Gedanken.

Was mir nicht aus der „Grübelfalle“ heraus hilft

Wenn ich in der „Grübelfalle“ gelandet bin, hilft es mir nicht, mich mit Netzinhalten oder den sozialen Netzwerken abzulenken. Im Vergleich zu meinem Leben erscheint mir das Leben der anderen Menschen dann als besser, schöner, leichter, usw. – und dieser Vergleich trübt die Stimmung weiter. Auch Komfort-Nahrung oder Einkaufen hilft mir nicht. Diese Verhaltensweisen helfen mir nicht, der Sache auf den Grund zu gehen.

Was mir aus der „Grübelfalle“ hilft

Wenn ich in der „Grübelfalle“ sitze, ist es gar nicht so leicht den Kreislauf der Gedanken zu durchbrechen. Dieses Kreiseln der Gedanken verdeckt meiner Erfahrung nach oft bestimmte Erkenntnisse oder Gefühle. Würde ich diese Erkenntnisse wahrnehmen oder die Gefühle erleben, käme ich eher aus der Falle wieder heraus.

  • die Dinge ordnen
    Wenn ich Routineaufgaben (wie bspw. putzen, aufräumen, Staub wischen) erledige, ordne ich nicht nur die Dinge um mich herum, sondern stelle wundersamer Weise auch wieder ein Stück Ordnung in meinem Kopf her. Hilfreich ist dies für mich nur, wenn ich auf eine zusätzliche Beschallung durch Musik, Podcasts, etc. verzichte.
  • die Perspektive ändern
    Ich verlasse die Wohnung, gehe spazieren, bewege mich. Nehme ich physisch eine andere Perspektive ein, kann ich oft auch meine Gedanken aus einem anderen Blickwinkel betrachten.
  • das Gespräch suchen
    Manchmal hilft auch ein Gespräch mit einer anderen Person. Allerdings funktioniert das bei mir nicht mit jeder Person in jeder Situation. Auf platte Standardantworten verzichte ich so oder so lieber.
  • Fragen stellen & die Antworten aufschreiben
    Was beschäftigt mich gerade?
    Wie fühle ich mich?
    Kann ich eine Grundursache benennen, die sich unter dem Gedankenkreisel verbirgt?
    Was kann ich kurz- und langfristig tun, damit sich etwas ändert oder damit ich mich besser fühle? Was tröstet mich?

Grundsätzlich hilft mir meine tägliche Meditationszeit dabei, meine Gedankenmuster zu beobachten, zu erkennen und Gedanken als Gedanken wahrzunehmen. Wir denken nämlich ziemlich viel und nicht alles, was wir denken, ist die Wahrheit.

Am Rand der „Grübelfalle“ – Zeit für Selbstfürsorge

Bin ich der „Grübelfalle“ entkommen, brauche ich oft noch Zeit, meine Wunden zu pflegen. Je nach dem was diese Grübelei verdeckt hat, brauche ich vielleicht Trost oder Zeit, um mich zu versöhnen. Ich versuche dann gut für mich selbst zu sorgen, sich selbst etwas gutes tun. Dann geht es wieder besser.

Kennst du die „Grübelfalle“? Wie gehst du mit dieser Situation um? Was hilft dir? Was hilft dir nicht?

Rückblick April 2017

Titelbild Rückblick April 2017

Der April war kälter als erwartet! Die Hängematte steht daher noch nicht auf dem Balkon. Meine eingepflanzten Blumen und das in Töpfen gesäte Rübstiel scheinen die knackigkalten Apriltemperaturen überlebt zu haben.

Der Schrank / das leere Regal steht immer noch im Wohnzimmer. Allerdings sind andere Dinge ausgezogen. Überraschenderweise hat das 2nd-Hand-Kaufhaus auch meine Weihnachtsdeko kurz nach Ostern angenommen. Ich hatte erwartet, dass ich die wieder mit nach Hause nehme.

Gelesen im April

Meerblick statt Frühschicht – Warum ich losreisen musste, um bei mir selbst anzukommen von Carina Herrmann
Inhalt:
Carina arbeitet schon sechs Jahre lang mit Herz und Seele auf verschiedenen Kinder-Onkologiestationen. Sie kommt schließlich an einen Punkt, an dem das alles zu viel wird und sie dringend Abstand von ihrem fordendem Beruf und ihrem Alltag braucht. Sie will weg und bewirbt sich für ein work’n’travel Visum für Australien.
Bewertung: Ein überaus inspirierender Titel! Ich konnte vom Sofa aus zusammen mit Carina die Welt erkunden und habe weitreichende Einblicke über Solo-Reisen erhalten.

Die Kluft von Doris Lessing
Inhalt:
Ein römischer Senator schreibt über die Entwicklung des Menschen. Der Beginn der Menschheit besteht hier aus einem Volk, das ausschließlich weibliche Mitglieder hat. Als der erste Junge geboren wird, wird er als Ungeheuer bezeichnet und dem Tod überlassen.
Einige Jungen entkommen, bilden ihre eigene Gemeinschaft und schließlich begegnen sich beide Gemeinschaften wieder.
Bewertung: Ein sehr seltsamer Roman. Die Idee ist durchaus interessant, doch dieser Roman war mir zu seltsam. Not my cup of tea!

Die Geschichte der Bienen von Maja Lunde
Inhalt:
Dieser Roman beinhaltet drei miteinander verwobene Geschichten. Da ist zum einen William Savage in England (1852), der einen optimalen Bienstock entwickeln möchte. Da ist der ambitionierte Imker George in Ohio (2007), der seinen Betrieb vergrößern möchte. Doch verschwinden plötzlich einige seiner Bienevölker. In China (2098) arbeitet Tao als Bestäuberin. Als ihr Sohn sich verletzt und ihr niemand etwas über seinen Gesundheitszustand mitteilen will, folgt sie der Spur ihres Sohnes und stößt dabei auf etwas, was die Zukunft der gesamten Menschheit verändern könnte.
Bewertung: Manchmal durchaus spannend. Insgesamt unterhaltsam und angenehm zu lesen – ich hätte mir allerdings mehr Dystopie gewünscht!

Zudem habe ich auch „Freie Geister“ von Ursula K. Le Guin gelesen und bereits ausführlicher besprochen.

Pläne für den Mai
  • Ich möchte überprüfen, ob ich meine Alltagsorganisation etwas anders organisieren kann. In letzter Zeit funktionieren meine Systeme nicht mehr so richtig.
  • Ich möchte meiner allgemeinen Unzufriedenheit auf den Grund gehen und schauen, worin sich diese begründet und dann Änderungen auf den Weg bringen.
  • Ich möchte mich wieder mehr bewegen! Ich werde mich (wieder) in einem Fitnessstudio anmelden.
  • Im Juni fahre ich zusammen mit einer Freundin nach Amsterdam. Außer Hin- und Rückfahrt, sowie das Hotel und die Lektüre Nr. 1 (The Fault in our Stars von John Green), ist noch alles offen. Ich werde also Urlaubspläne schmieden.

[Gelesen] Freie Geister von Ursula K. Le Guin

Titelbild Gelesen: Freie Geister von Ursula K. Le Guin

Als ich damit begann bewusst mehr Science Fiction Romane zu lesen, habe ich auch nach wichtigen Autor_innen gesucht, die einiges und vielleicht viel gepriesenes geschrieben haben. So bin ich auf die Autorin Ursula K. Le Guin gestoßen. Die 1929 geborene Autorin schreibt primär Fantasy- und Science Fiction Romane und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

Inhalt

Shevek ist Physiker und Bewohner des Planeten Anarres. Die Heimat von Shevek und vielen anderen Bewohner_innen ist karg und unwirtlich, fast lebensfeindlich. Doch das stört nicht, denn Anarres ist der Ort, an dem sie wirklich frei sind. Sie leben anarchistisch: es gibt kein Herrschaftssystem, kein Zwang, keine Unterdrückung und keinen Konsum.

Einmal im Jahr landet ein Raumschiff des Nachbarplaneten Urras auf Anarres, um wertvolle Edelmetalle abzutransportieren. Urras benötigt diese Metalle dringend, damit die Menschen dort ihre Bedürfnisse befriedigen können.

Shevek ist auf seinem Forschungsgebiet weit fortgeschritten und sucht den Austausch mit anderen Wissenschaftler_innen, doch in seiner Heimat findet er diese Kontakte nicht. Schließlich bricht er nach Urras auf, um dort zu forschen und sich mit anderen auszutauschen. Doch die Interessen der Urrasier sind andere und so gerät er zwischen viele Fronten… .

Bewertung

„Freie Geister“ erschien bereits 1974 unter dem Titel „The Dispossessed“ . Frühere Übersetzungen hießen auch: „Planet der Habenichtse“ und „Die Enteigneten“. Die Ausgabe, die ich gelesen habe, erschien Anfang des Jahres und ist eine Neuübersetzung von Karen Nölle. Da ich die älteren Übersetzungen nicht gelesen habe, kann ich diesen Aspekt nicht bewerten.

Teilweise verhielt sich der Roman etwas störrisch, der Zugang zum Geschehen und zu den einzelnen Charakteren fiel mehr schwer. Doch als ich die Hauptpersonen, insbesondere Shevek besser kennen gelernt habe, bin ich in einen angenehmen Lesefluss gekommen. Meine Hartnäckigkeit hat sich gelohnt, denn nur so bin ich über so wunderbare Sätze wie diesen gestolpert:

„Wenn man etwas als Ganzes sehen kann“, sagt er, „erscheint es immer schön. Planeten, Leben … Aber aus der Nähe besteht eine Welt nur aus Schmutz und Gestein. Und das tägliche Leben ist hart, man wird müde, man verliert das Gesamtbild aus dem Blick. Man braucht Abstand, Pausen. Um zu sehen, wie schön die Erde ist, muss man sie als Mond sehen. Um zu sehen, wie schön das Leben ist, muss man es vom Tod her betrachten.“ (S.211)

Die beiden Planeten Urras und Anarres könnten unterschiedlicher nicht sein. Anarres ist herrschaftsfrei und frei von Konsum, d.h. es gibt kein Geld, da niemand Geld benötigt. Jede Bewohner_in kann sich entfalten, erhält ein Zimmer, einen Arbeitsplatz, ausreichend Nahrung und Kleidung. In regelmäßigen Abständen lassen sie sich zum Dienst für die Gemeinschaft einteilen. Feste Rollenbilder von Mann und Frau gibt es nicht. Als Shevek einmal von einem Urrasier gefragt wird, ob es keinen Unterschied zwischen Frauen- und Männerarbeit gäbe, antwortet er folgendermaßen:

„Nein, das wäre eine sehr schematische Basis für die Aufteilung von Arbeit, meinen sie nicht? Ein Mensch wählt seine Arbeit nach Interesse, Begabung und Kraft – was hat das mit Geschlecht zu tun?“ (S. 24)

Auf Urras gibt es verschiedene Staaten mit verschiedenen Herrschaftssystemen. Es gibt reiche und arme Menschen, herrschende und unterdrückte Schichten. Dieser Kontrast macht den besonderen Reiz des Romans aus!

„Freie Geister“ ist mehr als 40 Jahre alt und hat in dieser Zeit keineswegs an Aktualität verloren. Geschlechtsspezifische Rollenbilder, Sinn und Unsinn von Konsum sowie Ausbeutung von Schwächeren sind auch heute aktuelle Themen.

Wer einen Science Fiction-Action-Thriller in Buchform sucht, greift lieber zu einem anderen Titel. Wer in andere Welten eintauchen möchte, gerne mal eine Utopie lesen würde und sich nicht von längeren Gesprächen und Ortsbeschreibungen abschrecken lässt, sollte sich diesen Roman einmal genauer anschauen.

„Freie Geister“ von Ursula K. Le Guin, übersetzt von Karen Nölle – Fischer Tor – ISBN 978-3-596-03535-9 – 14,99 Euro.

Was kommt nach dem Minimalismus?

Titelbild Was kommt nach dem Minimalismus?

In der letzten Woche fragte ich mich nach einer kurzen Morgenmeditation, ob das, was ich da gerade mache eigentlich noch Minimalismus ist oder schon etwas anderes. Ich fragte mich dann auch, ob ich jetzt ein neues Etikett brauche oder ob ich es nicht einfach lassen kann, mir Etiketten anzuhängen.

Ein Blick in die Vergangenheit

Mein Minimalismus-Weg begann als ich zur der Überzeugung gelang, dass viel zu viele Dinge mir den Blick auf das Wesentliche* versperren. Ich brauchte dringend mehr Freiraum in meinem Alltag und in meinem Leben. Ich fing an, verkaufte und verschenkte viel und schaffte Platz. Das tat gut!

Freier Raum bleibt oft nicht lange frei. Man kann da andere oder neue Dinge hinstellen! Oder wichtige und unbequeme Fragen drängen sich ins Bewusstsein, wobei die Antworten es den Fragen selten gleichtun.

Innerer & äußerer Minimalismus?

Diese Fragen, die sich dort in meinem Freiraum tummeln, sind mir wichtig. Manchmal beziehen sie sich eher auf die innere Welt und dann eher auf die äußere Welt. Ich vergleiche diese Fragen gerne mit einer Kompassnadel. Sie zeigen mir die Richtung an, in die es gehen kann.

In letzter Zeit liegt mein Fokus eher auf meinem Innenleben: Gefühle, Gedanken und Gewohnheiten. Es gibt da Zusammenhänge, Abhängigkeiten, Wechselspiele. Es ist spannend und dann auch wieder eher unangenehm. Ich denke, ich räume gerade auch in meinem Inneren auf, schaue mir meine Fragen an und stoße hoffentlich auch auf Antworten. Wobei dieses Innen und Außen irgendwie auch immer gegenseitig aufeinander einwirken. So hilft mir beispielsweise eine aufgeräumte Wohnung mit genügend Freiflächen dabei mich zu konzentrieren. Sowieso habe ich festgestellt, dass eine schöne Wohn- und Arbeitsumgebung sehr zu meinem Wohlbefinden beitragen. 🙂

Es geht mir also immer noch…

um einen freien Blick, um Klarheit und Ruhe im Kopf. Es ist also alles in Butter! Und die Möglichkeiten für inneres Wachstum und neue Abenteuer sind genauso zahlreich wie die sich immer wieder aufdrängenden Fragen. Das Etikett Minimalismus darf bleiben, da meine eigene Defintion sehr offen ist und Raum für Wachstum lässt.

*Auch meine Definition des Wesentlichen hat sich im Lauf der Zeit verändert. Vielleicht schreibe ich irgendwann in der Zukunft mehr darüber.